Svend Grundtvig - Dänische Volksmärchen

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    • Svend Grundtvig - Dänische Volksmärchen

      Dem edeln Freunde
      der Kunst und Wissenschaft

      Seiner Excellenz
      dem Herrn Oberstkämmerer

      Franz Grafen Folliot de Crenneville,

      Ritter des gold. Vließes, Großkreuz des k. österr. Leopold-Ordens mit der Kriegsdecoration, zugleich Kanzler dieses Ordens, Ritter d. eisern. Krone II., Großkreuz d.k. preuß. rothen Adler-Ordens in Brillanten, Großkreuz d.k. brasilian. Rosenordens etc. etc. etc., wirklichem Geheim-Rathe u. Kämmerer, k.k. F.-Z.-M. und Regiments-Inhaber, Mitgliede des Herrenhauses d. österr. Reichsraths, Ehren-Curator d. österr. Museums, Ehrenmitgliede d. Akademie
      d. bild. Künste in Wien etc. etc. etc.
      dankbar und ehrfurchtsvoll
      gewidmet.

      Vorwort

      »Dieses kleine Buch ist die erste reife Frucht einer mit gütigem Beistand vieler meiner Landsmänner und Frauen durch mehr als zwanzig Jahre fortgesetzten Sammlung von dänischen Volksmärchen, wie sie noch heutzutage im Volke, besonders im Munde und in der Erinnerung der Landleute fortlebend, in allen Gauen Dänemarks gefunden werden können.

      Für die Form dieser kleinen Auswahl ist der Herausgeber vollkommen verantwortlich. Er hat die Märchen mit Freiheit, manchmal nach verschiedenen und untereinander in den Einzelnheiten abweichenden Aufzeichnungen aus verschiedenen Theilen des Landes wiedergegeben und für seine Abweichungen wird er der ›gelehrten Welt‹ an einer andern Stelle Rede stehen. Hier aber sei jede Stubengelehrsamkeit ausgeschlossen. Er hat sich überall bemüht, den einfachen, gemüthlichen und volkstümlichen Ton der Darstellung fest zu halten; aber er war weit entfernt davon, das künstlich Hochtrabende oder Süßliche und das manchmal zwar Unschuldige, aber doch läppisch Geschmacklose, oder gar die geradezu anstößige Plumpheit, die sich bei dem gemeinen Volke zuweilen in die Wiedergabe dieser alten Erinnerungen des dänischen Volkes mengen, nachzuahmen.

      Es durfte sich in diesem Buche, das für das ganze Volk, besonders aber die Jugend bestimmt ist, nichts finden, was mit Fug und Recht Anstoß erregen könnte. Und diese Rücksicht hatte sowohl auf die Wahl, als auf die Behandlung dieser Märchen einen bestimmenden Einfluß. Hauptsächlich wurde jedoch bei der Behandlung jedes einzelnen Märchens auf dessen eigenen Grundgedanken und auf dessen epische Ganzheit Rücksicht genommen. Der Herausgeber wagt zu glauben, daß wenn sich auch keines dieser Märchen ganz genau so im Volksmunde wiederfindet, wie es hier auftritt, doch jedes einzelne dort als ein allgemein Bekanntes wieder anerkannt werden wird und zwar oft in einer viel reineren und vollständigeren Gestalt, als man es jetzt an irgend einem Orte finden kann; in einer Gestalt, die auf jeden Fall den oft verkrüppelten und unechten gegenwärtigen Formen ursprünglich zu Grunde gelegen haben muß.«

      So weit Svend Grundtvig, der Herausgeber des dänischen Originales. Der Uebersetzer hat diesen Worten nur noch hinzuzufügen, daß er glaubt, mit der Uebersetzung dieser Märchen manchem eine Freude gemacht oder doch wenigstens einen Dienst geleistet zu haben. Denn abgesehen von der ureigenthümlichen Schönheit und Originalität derselben, dürften sie gewiß dem Germanisten und Mythologen einen schätzbaren Beitrag zur Sagenforschung darbieten; sie sind nämlich bedeutend origineller und selbstständiger, als die von Asbjörnson und Moë gesammelten norwegischen Volksmärchen, die doch viele Aehnlichkeiten und manches Verwandtschaftliche mit unsern Schneewittchen, Aschenbrödel u.v.A. aufzuweisen haben, während uns hier zumeist ganz neue Personen und Verhältnisse mit durchgehends echt dänischem Localgepräge entgegentreten. Es sind, wie Svend Grundtvig in seinem klaren Einleitungsgedicht zur dänischen Ausgabe so schön sagt:

      »Beerenfrüchte, die dem Boden
      Dänemarks entsprossen, reiften
      In des Dänenlandes Sommer.
      Unter Haideblumenglocken
      Und im Schatten mächt'ger Buchen,
      In des Feldes Blumengarten
      Sind sie eingesammelt worden.

      Ohne Gift und ohne Galle
      Findest du die Früchte, deren
      Süßer Kern in rauher Schale
      Nur Gesundheit ist und Wahrheit.
      Sonnenglut und Windeskühle,
      Blumenthau und Quellenfrische
      Ließen aus der tiefen Erde
      Eine Saat aus fernen Tagen
      Sprießen, die sie dann erfüllten

      Mit dem Duft der Heimat und mit
      Saft von unten, Kraft von oben: –
      Saft und Kraft von ew'ger Jugend,
      Ist des Volkes Stolz und Reichthun!« –

      Wiewohl nun S. Grundtvig alles Gelehrtaussehende aus seiner Ausgabe verbannt hatte, konnte der Uebersetzer doch nicht umhin, einige kleine Anmerkungen beizufügen. Sie haben zumeist nur den Zweck, freier übersetzte Stellen entweder zu rechtfertigen oder Demjenigen, dem die buchstäbliche Genauigkeit erwünscht ist, eine wortgetreue Uebersetzung des Originals zu geben. Denn der Uebersetzer war gezwungen, manchmal vom Original in einzelnen Worten, die dem großen deutschen Lesepublikum unverständlich geblieben wären, abzuweichen und dafür ein deutsches Wort zu wählen, das dem Deutschen dieselbe Empfindung hervorruft, wie dem Dänen das dänische. Gezwungen war er aus dem Grunde dazu, weil es sein Streben war, den schlichten volksthümlichen Erzählerton des Originals auch im Deutschen wiederzugeben und da war es ja vor allem nöthig, alles Fremdartige auszuschließen, worüber der mit dänischen Verhältnissen weniger Vertraute hätte stolpern können. Daß er sich aber deshalb doch nicht allzuviele Freiheiten erlaubte, davon wird sich jeder überzeugen, der sich die Mühe einer Vergleichung des Originals mit der Uebersetzung nehmen wollte.
      Der Götter Freund und aller Hobbyheiden Feind

      Ich hab immer ein Messer dabei, falls es Kuchen gibt oder so...



    • Außerdem führte der Uebersetzer einige parallele Züge dieser mit einigen andern (hauptsächlich ungarischen) Volksmärchen an. Daß er dies that und daß er vielleicht viel weltbekanntere Märchen, die auch einen oder den andern ähnlichen Zug aufzuweisen haben, nicht erwähnte, hat seine Ursache darin, daß er es nicht für nothwendig erachtete, auf Das, was einem jeden in Märchen- und Sagenliteratur Bewanderten von selbst auffallen kann, hinzuweisen. Dagegen ist der Vergleich der Märchen eines germanischen Stammes mit einem, wenn man so sagen darf, finnisch-asiatischen, gewiß nicht uninteressant, da ja die letzteren noch wenig in Deutschland bekannt sind. Der Uebersetzer ist weit entfernt, zu behaupten, daß er einen solchen eingehenden Vergleich gemacht hat; die angeführten Parallelen sind ihm nur während der Arbeit aufgestoßen und wenn er sie anführte, so wollte er damit nur den ersten Anstoß geben, der einen Andern, Berufeneren zu einem Vergleich ermuntern könnte.

      S. Grundtvig fordert am Schlusse seines Nachwortes alle Dänen eindringlich auf, ihm in seiner Sammlung alter dänischer Sagen und Märchen, Gebräuche und Sitten hilfreiche Hand zu bieten und so das alte geistige Eigenthum seines Volkes jetzt, »in der letzten Stunde,« da es vielleicht noch Zeit ist, zu retten; und es ist gewiß, daß ihm ganz Dänemark in diesem nationalen Bestreben beistehen wird. Uns aber eröffnet es die angenehme Aussicht, daß wir bald mit einer neuen Sammlung beschenkt werden, die der ersten gewiß nicht nachstehen wird, wofür ja schon der Name des Herausgebers Svend Grundtvig, des ausgezeichneten Sohnes seines ausgezeichneten Vaters N. F. S. Grundtvig bürgt. Sollte diese Sammlung hinsichtlich ihrer Güte verdienten Anklang in Deutschland finden, so wird dies für den Uebersetzer eine Aufmunterung sein, auch die hoffentlich noch folgenden Sammlungen von dänischen Märchen dem deutschen Publikum zugänglich zu machen.

      So sei denn mit S. Grundtvig's Worten dieses Büchlein der »Jugend« dargereicht:

      – – »wo sie sich auch finden möge,
      Blühend noch im Kindheitskleide,
      Hinter faltenreicher Stirne,
      Die mit weiß und blonden Locken
      Kindlich frohen Sinn bewahrte.«

      Wien, im Februar 1877

      Willibald Leo
      Der Götter Freund und aller Hobbyheiden Feind

      Ich hab immer ein Messer dabei, falls es Kuchen gibt oder so...



    • In des Wolfes Bau und Adlers Klau'

      Es war einmal ein König und eine Königin, die hatten einen kleinen Sohn. Eines Tages wollten der König und die Königin miteinander ausfahren, aber ihren Sohn nicht mitnehmen. Aber er wollte dennoch mitgenommen werden, darum lief er hinter dem Wagen drein; und da er durch nichts davon abzubringen war, ließ der König halten und sagte zu dem Prinzen, wenn er dieses silberne Messer und diese Gabel, die er ihm jetzt gab, nehmen und zu seiner Amme heimbringen wolle, so dürfte er wiederkommen und mitfahren, sie würden unterdeß auf ihn warten bis er zurückkomme.

      Der Prinz nahm das silberne Besteck und lief dem Schlosse zu. Aber, daß ihn der König mit diesem Auftrag ins Schloß schickte, war nur ein Vorwand um ihn los zu bekommen. Als der Knabe ein Stück weit gelaufen war und sich einmal umschaute, sah er, daß der Wagen davonfuhr. Da kehrte der Prinz sogleich um und lief dem Wagen wieder nach, konnte ihn aber nicht erreichen. Als er in einen Wald kam, wollte er ihm deßhalb von einer andern Seite entgegenlaufen, aber er verirrte sich und lief schnurstracks in eine Wolfshöhle hinein. Der Wolf war zwar zu Hause, aber er war gerade nicht hungrig, denn er war soeben mit einer guten Mahlzeit fertig geworden, drum that er dem Knaben nichts zu Leide, sondern begann wie ein Hund mit ihm zu spielen.

      Während sie aber so spielend vor der Wolfshöhle herumsprangen, flog ein Adler über ihre Häupter hin, sah den Knaben, senkte sich pfeilgeschwind nieder, ergriff ihn mit seinen Klauen und flog mit ihm davon. Er wollte ihn in sein Nest; das auf einer Insel draußen im Meere lag, schleppen; unterwegs aber wurde ihm der Knabe zu schwer und er ließ ihn fallen. Er fiel ins Meer, und sogleich kam ein Wallfisch daher geschwommen und verschluckte ihn.
      Als der Prinz kurze Zeit im Bauche des Wallfisches gelegen hatte, kam es ihm sehr langweilig darin vor. Er zog daher das silberne Messer und die Gabel heraus und fing an, im Bauch herumzuschneiden. Das konnte der Fisch nicht aushalten; er starb und trieb ans Land.

      Der Knabe konnte sich doch nicht allein herausfinden. Als es aber im Lande ruchbar wurde, daß ein Wallfisch ans Ufer getrieben sei, kamen viele Leute zum Strande herunter, um ihn zu besehen und anzustaunen. Unter diesen war auch ein Gutsherr mit seinem Sohn, einem Knaben von des Prinzen Alter. Während diese beiden um den Fisch herumgingen und ihn betrachteten, hörten sie etwas in demselben schreien und rufen. Und als sie ihn aufschnitten, kam der Prinz so munter und frisch wieder heraus, als er verschluckt worden war.
      Der Gutsherr nahm dann den Prinzen mit sich nach Hause und ließ ihn mit seinem Sohne erziehen. Die beiden Knaben wurden bald gute Freunde, und der Prinz hatte es recht gut in seinem neuen Heim. Da geschah es eines Tages, als die beiden miteinander Ball spielten, daß der Prinz den Ball aus Unvorsichtigkeit so schleuderte, daß er den Sohn des Gutsbesitzers gerade an die Schläfe traf, und zwar so unglücklich, daß der Knabe todt umfiel. Darüber wurde der Gutsherr so zornig, daß er den Prinzen verurtheilte, lebendig zugleich mit dem Todten begraben zu werden, denn er meinte, er könne mit ihm thun, was er wolle, weil er ihn aus dem Wallfisch herausschneiden ließ.

      Das war zu der Zeit, als die Leute noch Heiden waren und in großen Hügeln draußen auf dem Feld begraben wurden. Und der lebende Königssohn wurde zugleich mit seinem todten Spielkameraden in einem Hügel beigesetzt, und mit großen, schweren Steinen wurde der Hügel verschlossen. So saß der arme Prinz da unten in finsterer Grabesluft. Plötzlich merkte er etwas Lebendiges, das im Innern des Hügels herumkrabbelte. Er griff nach demselben so gut es in der Dunkelheit ging und fühlte, daß es etwas Haariges war. Er hielt es fest und wurde weiter gezogen und durch die Erde geschleppt. Es war nämlich ein Fuchs, der sich eine Höhle unter dem Hügel gegraben, den der Prinz am Schweif erwischte, und der ihn nun durch einen seiner geheimen Gänge in seinen Fuchsgraben und von da weiter ins Freie hinaus zog; denn er war ganz erschrocken und suchte blos seine Bürde los zu werden.

      Als sich der Königssohn wieder unter freiem Himmel befand, machte er sich auf die Beine und schaute, daß er in den Wald kam, denn auf den Gutshof, dessen Herr ihn begraben ließ, durfte er ja um keinen Preis der Welt mehr zurückkommen. Er wanderte nun mehrere Tage durch die dunkelsten Wälder, die er nur finden konnte, bis er von einem Dieb und Räuber angetroffen ward, der hier in den wilden Wäldern hauste. Er nahm den Knaben mit sich in seine Räuberhöhle, gab ihm zu essen und zu trinken, und war überhaupt recht freundlich mit ihm, denn so ein einzeln wild herumstreichender Knabe konnte ihm ja nicht gefährlich sein, sondern im Gegentheil Gesellschaft leisten und ihm nützlich werden.

      Der Dieb nahm den Knaben jede Nacht mit sich fort, und der Königssohn mußte sich darein finden, ihm sowohl bei Bauern als bei Herren stehlen zu helfen.

      In einer Nacht kamen sie einmal zu einem großen Schlosse und gingen zum Stall hin. Der Dieb sagte zu dem Knaben, daß er dort oben durch ein kleines Stallfenster, das offen stand, hindurchkriechen solle. Ganz vorne im Stall stand ein Grauschimmel mit vier goldenen Hufen, und den wollte der Dieb haben, deßhalb sollte ihn der Knabe losmachen, durch den Stall ziehen, die Thüre sodann von innen öffnen und den Grauschimmel herausführen. Der Dieb selbst wollte außen warten und das Pferd dann in Empfang nehmen.
      Der Knabe that wie ihm geheißen: er kroch durch das kleine Fenster und kam glücklich in den Stall, in dem er vorne das Pferd fand und von der Krippe losmachte und mit diesem wieder zurück durch den Stall schleichen wollte. Als aber die goldenen Hufe auf das Steinpflaster klappernd aufschlugen, erwachte zuerst ein Stallknecht und der rief nach den andern, und im Nu kamen alle mit Lichtern in den Stall herunter und ergriffen den Knaben auf frischer That.

      Dies wurde dem König gleich am Morgen gemeldet, – denn es war der König, welchem das Pferd gehörte – und er sagte, daß man den Dieb noch am selben Vormittag aufhenken solle. Er wolle dann selbst kommen und zusehen, daß es auch richtig geschehe.

      Als der Knabe den Strick schon um den Hals hatte und aufgeknüpft werden sollte, bat er, noch einige Worte reden und seine Geschichte erzählen zu dürfen. Es wurde ihm erlaubt und er sprach:

      »Ich war zuerst in des Wolfes Bau,
      Und kam alsdann in des Adlers Klau',
      Im Wallfischbauch hab' ich zugebracht,
      Lebendig lag ich in Grabesnacht,
      Dem Räuber diente ich so zum Schluß,
      Daß ich mein Leben verlieren muß.
      Das Silbermesser mit Gabel doch
      Von meinem Vater, das hab' ich noch,
      Das ich der Amme einst bringen sollt',
      Als er im Wagen davongerollt.«

      Als der König, der der Hinrichtung zuschauen wollte, dies hörte, sprang er auf und umarmte den kleinen Dieb, welcher gerade aufgehängt hätte werden sollen, denn es war ja niemand anders als sein eigener Sohn.

      Und Freude herrschte im ganzen Land
      Weil seinen Erben der König fand.
      Als Prinz nun reitet er aus dem Schloß
      Auf goldbehuftem und stolzem Roß.
      Der Götter Freund und aller Hobbyheiden Feind

      Ich hab immer ein Messer dabei, falls es Kuchen gibt oder so...



    • Es war einmal ein fauler Mann und eine faule Frau, und die hatten einen Sohn, der ein solcher Faulpelz war, daß er auch nicht die allerkleinste Arbeit verrichten mochte.

      Dem Vater und der Mutter war es so wie so recht, ob er nun zu etwas nütze war oder nicht; wenn er nur gut gedieh, denn beide Eltern hielten ganz unbändig viel auf ihren Sohn.

      Und er gedieh auch recht gut, er wurde groß und stark und dick und fett, und war allezeit lustig und guter Dinge; aber niemals mochte er etwas Nützliches anfangen.

      Als er erwachsen war, besprachen sich seine Eltern, auf was er sich jetzt verlegen und was er werden sollte. Etwas mußte es wohl sein, damit er doch sein tägliches Brod hatte, denn zu Hause ging es nur sehr knapp her. Aber es wäre Sünde und Schande gewesen, von ihm zu verlangen, daß er irgend etwas arbeiten sollte. Dazu hatte er ja nie Lust gehabt, – und nur die Lust fördert das Werk. So wurde denn schließlich bestimmt, daß er hinausziehen und betteln solle. Das war der Lebensweg, der, wie es ihnen schien, am besten paßte für den lieben Jungen.

      Er bekam denn eine Tasche über den Rücken, einen Stock in die Hand und so trabte er gemächlich fort. Er ließ sich gute Weile, denn er hatte ja keine Eile, und mit Hast mochte er auch nichts thun, – denn mit Hast wird's zur Last. Als er eine kurze Strecke gegangen war, wurde er hungrig, drum setzte er sich ins Gras nieder und verzehrte, was er von zu Hause mitbekommen; und nachdem er gespeist hatte, wurde er schläfrig und drum legte er sich unter einen Baum, um zu schlafen. Als er wieder erwachte, neigte sich der Tag schon dem Abend zu, und er meinte wohl noch eine kleine Strecke gehen zu können, ehe er irgendwo hineinging, um sich ein Nachtquartier zu erbetteln.

      Wie er so den Weg entlang schlenderte, begegnete ihm ein altes Weib. »Guten Abend!« sagte sie, »wo willst du denn hin?« – »Ich will ausziehen und betteln gehn,« antwortete er, »und das soll jetzt mein Lebensweg sein, denn zur Arbeit tauge ich nichts. Vor allem muß ich jetzt schauen, daß ich an einen guten Ort komme, wo man für ein gutes Wort ein Nachtlager bekommen kann.«

      »Ja, so einen Ort kann ich dir schon weisen,« sagte das Weib. »Gehe nur in das erste Anwesen linker Hand, zu dem du hinkommst, hinein. Dort wird man dich schon übernachten lassen, wenn du nur genau thust, was ich dir sage. Bevor du zur Thüre hineingehst, hebe einen kleinen Stein auf, der davor liegt, und stecke ihn zu dir. Und wenn du hineinkommst, sage Dank zu allem, was man zu dir sagt, und was es auch sein möge. Und wenn alle andern schlafen, dann lege den kleinen Stein auf den Herd unter die Asche, wo das Feuer gemacht wird.«
      »Schönsten Dank!« sagte der Bursche und schlenderte langsam weiter, bis er zu dem ersten Anwesen linker Hand kam. Er hob den kleinen Stein, der vor der Thüre lag, auf und ging dann hinein. Er traf drinnen eine Frau, welcher er einen guten Abend wünschte und bat, da über Nacht bleiben zu dürfen. »Nein!« sagte die Frau, »das geht nicht an.« – »Schönsten Dank!« erwiderte er. »Ich sage ja, daß es nicht angehen kann,« wiederholte die Frau, »wir können keine fremden Leute beherbergen.« – »Schönsten Dank!« sagte er abermals und setzte sich auf eine Bank nieder. Da ließ ihn die Frau sitzen, weil sie ihn doch nicht geradezu hinausjagen wollte.

      Bald darauf kam der Mann nach Hause. »Wer ist denn das, der dort sitzt?« fragte er. »Ich weiß es wahrhaftiger Gott nicht,« antwortete die Frau; »entweder ist er taub, oder er ist ein Tölpel, denn ich habe ihm gesagt, daß er nicht dableiben könne; und trotzdem sagt er in einemfort Dank zu allem.« Der Mann sagte nichts dazu, sondern setzte sich an den Tisch; und die Frau ging hin und schöpfte ihm sowohl Suppe als Zuspeise aus dem Topf und stellte es vor ihren Mann hin und sagte zugleich, daß er nun davon essen könne, soviel ihm schmecke, und was übrig bleibe, würde sie dann aufheben. Aber an den fremden Burschen dachte sie nicht und blickte auch gar
      nicht hin zu ihm.

      »Vergelt's Gott, tausend Dank!« sagte der Bursche und rückte zur Schüssel hin und aß tüchtig Suppe und Zuspeise, so daß dem Manne nicht das geringste übrig blieb. Sowohl der Mann als die Frau wunderten sich sehr über diesen Kerl; aber sie sagten nichts.

      Dann ging die Frau hin und machte ihrem Mann das Bett und sagte zu ihm, daß er sich jetzt niederlegen könne, wenn er wolle. »Schönsten Dank!« sagte der Gast, warf seine Kleider vom Leibe und sprang ins Bett. Und ehe sich die Leute noch von ihrem Staunen erholt hatten, hörten sie ihn schon süß schlafen. Da konnten sie es doch nicht mehr übers Herz bringen, ihn aufzuwecken und wieder aus dem Bett herauszujagen; und so ließen sie ihn denn liegen und machten es sich auf dem bloßen Fußboden bequem. Als dann alle in festem Schlafe ruhten, schlich sich der Bursche aus dem Bett, ging zum Feuerherd hin und verbarg den kleinen Stein in der Asche; und dann legte er sich wieder schlafen.

      Die Leute da im Hause hatten auch eine Tochter, ein großes, hübsches Mädchen, das noch nicht lange erwachsen war; und dieses stand nach dem Brauch des Hauses immer zuerst auf, um das Feuer am Herde anzumachen. Und das sollte sie auch an diesem Morgen thun. Sie nahm den Feuerhaken, stierte die Asche auf und legte neues Brennholz darauf; aber sie konnte es doch nicht zum Brennen bringen; da bückte sie sich nieder um zu blasen, als sie aber den Mund spitzte, fuhr ihr heraus: »Fff ... f ... f ... iddiwau, Fiddiwau, Fiddiwau-wau- wau.« Und sie konnte nicht mehr aufhören dieses Wort auszusprechen und brachte auch das Feuer nicht zum Brennen; da fing sie an zu weinen und Fiddiwau zu rufen!

      Da erwachte ihre Mutter und fragte, was los sei? – »O, Fiddiwau!« antwortete das Mädchen, »es will nicht – Fiddiwau-wau-wau!« – »Nun, du kannst halt das Feuer nicht zum Brennen bringen,« sagte die Mutter; »aber ist denn das auch etwas, um so ein Aufhebens davon zu machen!« Und damit sprang sie vom Boden auf und zum Herd hin, stierte die Asche auseinander und wollte zu blasen anfangen: – »Fiddiwau, Fiddiwau!« sagte sie jetzt ebenfalls und konnte nicht mehr aufhören es zu sagen, und brachte das Feuer nicht zum Brennen.

      Da heulte sie mit der Tochter um die Wette, bis der Mann davon aufgeweckt wurde und fragte, ob sie beide verrückt geworden seien, weil sie sich so benähmen. »O Fiddiwau, Fiddiwau!« riefen beide wie aus einem Mund und heulten gerade in die Luft hinaus. Der Mann machte sich auf die Beine und sah, daß sie das Feuer am Herd nicht zum Brennen bringen konnten, und daß es das gewesen sein mußte, womit sie beschäftigt waren. Und da sagte er: »Ja, ja, die Weibsleute haben eben keinen besseren Verstand, drum machen sie wegen gar nichts gleich ein solches Aufhebens.« Und dabei hatte er die Feuerzange genommen und störte in der Asche herum und wollte blasen: »Fiddiwau, Fiddiwau, Fiddiwau-wau-wau!« sagte er unaufhörlich wie die andern.
      Da beschlossen sie sogleich, daß die Tochter zum Küster laufen solle, damit er komme und Gebete über das Feuer spreche, weil es verhext sein müsse. Das Mädchen lief so sehr es nur konnte gerade aus zum Küster hinein und brachte nur mit genauer Noth hervor, daß sie ihn vom Vater schön grüßen solle – Fiddiwau! – und von der Mutter – Fiddiwau! und daß sie ihn bitten ließen, daß er sogleich kommen und über das Feuer beten möchte – Fiddiwau-wau-wau! Der Küster glaubte, es könne mit dem Mädchen nicht recht richtig sein, aber er ging doch mit; und als er auch die andern sah und hörte, schien es ihm selbst, daß es hier nicht mit rechten Dingen zugehen könne und daß etwas Böses sein Spiel treiben müsse; – und das mußte ausgetrieben werden. Er nahm den Feuerhaken, um ein Kreuz über die Asche zu schlagen, und dann spitzte er den Mund zum Beten. Aber, ob er nun beten oder blasen wollte: – es ging ihm auch nicht besser als den andern, und er konnte nichts anderes sagen als »Fiddiwau, Fiddiwau!« und dabei blieb er auch.

      Da mußte das Mädchen noch einmal fort und hinüber zum Herrn Pfarrer, zu dem es ganz athemlos gelaufen kam und sagte, daß der Teufel – Fiddiwau! – zu Hause los sei – Fiddiwau! – und daß er den Küster schon überwunden – Fiddiwau! und den Vater und die Mutter – Fiddiwau! – und der Herr Pfarrer möchte doch kommen, ihnen zu helfen und den Teufel bannen – Fiddiwau-wau-wau!
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    • Der Pfarrer zog rasch seinen Rock an, setzte die Brille auf und nahm das Buch unter den Arm und ging mit dem Mädchen hinüber. Er fand alle um den Herd versammelt, und das war der Herd des Bösen. Das Feuer wollte nicht brennen, und alle riefen wie aus einem Mund: »Fiddiwau-wau-wau!« Der Pfarrer schlug das Buch auf und nahm den Feuerhaken in die Hand und schlug damit in die Asche, und wollte zu lesen anfangen, um das Böse auszutreiben. Aber das erste Wort, das er sagte, war: »Fiddiwau, Fiddiwau, Fiddiwau-wau-wau!«
      Jetzt war guter Rath theuer; und der Mann begann stotternd zu beten und versprach demjenigen, der ihm das Böse aus dem Hause schaffen könnte, augenblicklich seine einzige Tochter zu geben und nach seinem Tode auch all' sein Hab und Gut.

      Der Gast, der dort im Bett schlief, lag eine Weile da und sah und hörte die ganze Verwirrung und dieses Fiddiwau. Aber es währte geraume Zeit, bis ihm ein Licht aufging, wie das alles zusammenhing. Als er jedoch des Mannes letzte Worte gehört hatte, sprang er aus dem Bett und sagte: »Schönsten Dank!« Dann wühlte er den kleinen Stein aus der Asche heraus und schleuderte ihn zur Thüre hinaus, und darauf nahm er das Mädchen um den Hals und küßte es. Jetzt loderte das Feuer hell empor und alle waren von der Verhexung erlöst und befreit; und darüber waren alle so froh, daß jedes einzelne den Gast küßte; und nun war es an diesen »Schönsten Dank!« zu sagen, und das thaten sie auch. Darauf wurde die Hochzeit abgehalten; und der Pfarrer traute das Paar umsonst und der Küster sang umsonst dazu. Und dann lebten sie froh und glücklich miteinander. Und so hatte es der Faulpelz doch noch zu etwas Rechtem gebracht!
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    • Des Königs Kapital

      Es waren einmal ein Mann und eine Frau, und die hatten einen Sohn. Sonst hatten sie aber auch nichts; – nicht einmal ihr trockenes Brod. Als der Knabe so groß geworden war, daß die Eltern meinten, er könne sich jetzt selbst erhalten, gaben sie ihm eine Brodrinde, setzten ihn vor die Thüre und sagten, daß er nun in die weite Welt hinaus ziehen müsse, um sein Glück zu versuchen.

      Der Knabe zog geradenwegs an den Hof des Königs und ging hinein und fragte, ob er hier keinen Dienst bekommen könnte. Er wollte alles thun, was man von ihm verlangte, wenn es nur eine ehrliche Arbeit wäre, und er verlangte keinen andern Lohn dafür, als nur das Essen. Der König konnte ihn aber zu nichts anderem brauchen, als höchstens zu seinem Laufburschen, der allerlei Gänge zu machen und verschiedenes auszurichten hatte, wenn er einen Auftrag bekam und irgendwo hingeschickt wurde. Der Knabe meinte, daß dies gerade etwas recht Passendes für ihn sei, denn er konnte ja noch keine so schweren Arbeiten wie die Knechte verrichten, aber er war rasch und leicht auf den Füßen und das Herumlaufen freute ihn, weil er sich bei der Gelegenheit gleich ein wenig umschauen konnte. Er wurde hier aufgenommen und bekam viel zu thun, und verrichtete alles, was man ihm auftrug, zur größten Zufriedenheit. Einmal bekam er auch einen sehr wichtigen Auftrag. Der König war nämlich Wittwer und wollte sich wieder verheiraten; und zwar wollte er eine hübsche, steinreiche Königin, die ihm sehr gut gefiel, freien. Aber es war sehr schwer Zugang bei ihr zu finden. Deshalb wurde auch der Bursche mit diesem Auftrag betraut, und er war so glücklich und verrichtete alles wieder so gut, daß er seinem Herrn ein »Ja« bringen konnte, der sich dann mit der reichen und schönen Königin verheiratete. Seit dieser Zeit stieg der Bursche in der Gunst des Königs und bekam sowohl hübsche Kleider, als auch einen guten Lohn.

      Darüber ärgerte sich Ritter Roth, der Haushofmeister oder so etwas bei diesem König war, und er dachte nur darauf, wie er den Burschen aus dem Weg räumen könnte, bevor er ihm in den Weg käme. Da erzählte er eines Tags dem König in dieser Absicht, daß sich der Bursche gerühmt habe, jeden Auftrag vollführen zu können, und wenn ihn der König geradeaus in die Hölle schicken wollte, um die Zinsen für sein Kapital, die er schon so lange ausstehen hatte, aber noch nie bekommen konnte, zu holen – er sei Manns genug dazu, um das zu können!

      Das hatte der Bursche allerdings nie gesagt, denn er hatte ja noch nicht einmal etwas von den ausstehenden Forderungen gehört, und das sagte er auch dem König, der ihn zu sich rufen ließ. Aber alles half dem Burschen nichts, rein gar nichts! Der König befahl ihm einfach, daß er diesen Auftrag ausführen müsse; und da er einen sehr weiten Weg zu machen hatte, sollte der Laufbursche diesmal reiten, und dazu gab ihm der König einen eigenen Ziegenbock.

      Der Laufbursche bekam noch einen Sack mit Lebensmitteln gefüllt, setzte sich dann auf den Geisbock und ritt mit ihm hinaus in die weite Welt, wohin der Bock wollte. – Der Geisbock trug ihn zu einem großen Wald, und als er ein gutes Stück hineingekommen war, wurde er von einem Raben angesprochen, der ihn fragte, wohin er wolle. »Ich muß in die Hölle, Zinsen für meinen König abzuholen,« antwortete der Bursche. »Das ist eine weite Reise und noch dazu eine gefährliche,« sagte der Rabe wieder; »und wenn du meinem Rath folgen willst, dann grabe hier bei der Wurzel dieses Baumes, auf dem ich sitze, nach und da wirst du ein Schwert finden; und alles, das du mit diesem schlagen wirst, muß in Stücke gehn. Und dann möchte ich dir noch den Rath geben, nie von der geraden Landstraße abzuweichen.«

      Der Bursche grub bei der Wurzel des Baumes nach und fand wirklich ein Schwert. »Das wird schon das rechte sein,« dachte er bei sich und dankte dann dem Raben für seine guten Rathschläge und ritt geradeaus auf der Landstraße weiter. Als er ein gutes Stück weit vorwärts geritten, kam ein altes Weib hinter ihm drein, welches auf einer Ziege saß, und das war des Teufels Großmutter. Sie ritt an seine Seite und fragte ihn, ob er sein »Roß« nicht mit ihr tauschen wollte. »Nein,« sagte der Bursche, er wolle das behalten, das er habe und das ihm sein Gebieter zum Reiten gegeben. Dann versuchte sie ihn vom rechten geraden Weg, den er eingeschlagen, wegzulocken und sagte, daß sie einen sehr guten Seitenweg wisse, der noch dazu viel näher wäre. Aber der Bursche sagte, daß er schon lieber auf der geraden Landstraße bleibe. Da bog sie ihren Seitenweg ein und auch der Bursche ritt seiner Wege.

      Als er wieder ein Stück weiter vorwärts geritten war, kam er zu einem Hügel, auf dem zwölf Jungfrauen standen und weinten. Der Bursche fragte sie, warum sie so traurig wären? »Ach!« erwiderten sie, »wir müssen wohl jammern und weinen, denn es haust ein schreckliches Ungeheuer in unserer Gegend, und von dem sollen wir alle als Weihnachts-Abendmahl verzehrt werden.« Eine von den Jungfrauen hatte eine Hirtenpfeife in der Hand, die nahm ihr der Bursche geschwind weg und fragte, wozu sie gehöre. Da riefen und schrien alle zu gleicher Zeit, daß er ja nicht hineinblasen dürfe, denn sonst käme sogleich das Ungeheuer daher. Aber der Bursche setzte die Pfeife an den Mund und blies hinein, daß sie einen weithin über Berge und Thäler gellenden Ton von sich gab. Und augenblicklich kam das Ungeheuer dahergestürzt und hatte nicht weniger als zwölf Köpfe. Es war scheußlich anzusehen, aber sobald es der Bursche nur berührte mit seinem Schwert, zersprang es wie in tausend Kieselsteine. Damit waren die Jungfrauen gerettet und beeilten sich nun, wieder nach Hause zu kommen, während der Bursche weiter ritt. Da kam des Teufels Großmutter wieder zu ihm und wollte ihn abermals vom geraden Weg ablocken, aber er blieb standhaft auf seiner Straße und wollte nichts wissen von einem Seitenweg; und so mußte des Teufels Großmutter noch einmal unverrichteter Dinge weiter ziehen.

      Als er wieder ein gutes Stück weiter geritten war, kam er zu einem andern Hügel, auf dem vierundzwanzig Jungfrauen standen und weinten. Er fragte sie, was ihnen fehle, und sie antworteten, daß ein Ungeheuer in ihrer Gegend hause, das sie alle zum Neujahrs-Abendmahl verzehren werde. Eine von ihnen hatte eine Hirtenpfeife, die riß ihr der Bursche aus der Hand und blies fest hinein, ohne sich darum zu kümmern wie sehr die Jungfrauen auch schrien und ihn baten, es nicht zu thun. Augenblicklich kam das Ungeheuer daher, und das hatte vierundzwanzig Köpfe; aber alle mußten in Stücke zerspringen, sobald sie von dem Schwert nur berührt wurden. So waren auch diese Jungfrauen gerettet und der Bursche ritt weiter. Jetzt kam des Teufels Großmutter zum drittenmal zu ihm auf ihrer Geis geritten und wollte ihn vom geraden Weg abbringen; aber der Bursche blieb fest und befolgte den Rath des Raben, – und sie mußte abermals ihrer Wege ziehen.

      Der Bursche ritt geradeaus auf der Landstraße weiter, bis er zu einem dritten Hügel kam, auf welchem sechsunddreißig Jungfrauen standen und jämmerlich weinten. Und zwar deshalb, weil sie von einem schrecklichen Ungeheuer zum heil. Dreikönigs-Nachtmahl verzehrt werden sollten. Eine derselben hatte wieder eine Hirtenpfeife, die riß ihr der Bursche aus der Hand und blies hinein, und das Ungeheuer, das sechsunddreißig Köpfe hatte, kam daher. Aber die flogen alle herunter und das ganze Unthier zersprang in unzählbare Kieselsteine, sobald es der Bursche mit seinem guten Schwert berührte. Auf diese Weise hatte er alle zweiundsiebenzig Jungfrauen vor den drei Ungeheuern mit den zweiundsiebenzig Köpfen errettet und zog dann seiner Wege, wie auch die Jungfrauen die ihrigen.

      Jetzt ging es aber rasch vorwärts und es kam ihm auch kein Hinderniß mehr in den Weg, so daß er von nun an unaufgehalten zum Höllenthor kam. Vor demselben lag aber eine entsetzliche Drachenschlange, der man es wohl ansehen konnte, daß nicht gut Kirschen mit ihr zu essen war. Aber der Rabe hatte ihm mehr gesagt, als wir vorher gehört haben und hatte ihm für alles, was vorkommen konnte, Rathschläge gegeben. Er sprach daher sogleich mit der Drachenschlange und grüßte sie von ihrem Bruder im Walde, und sie verstand es, denn das war ja der Rabe; und sie ließ ihn unbeschadet zum Höllenthor hinein.

      Als er hineinkam, fuhr sogleich der Teufel auf ihn los und fragte, was er wollte. Der Bursche grüßte ihn vom König und sagte, daß er gekommen sei, um die Zinsen zu holen, welche der Teufel für das Kapital schuldig war und mit deren Bezahlung er schon so lange säumte. Davon wollte der Teufel aber anfangs gar nichts wissen, bis seine Großmutter kam und ihm ins Ohr flüsterte, daß er schauen müsse den Burschen loszubekommen, denn er sei ein sehr gefährlicher Patron, der schon seine drei Söhne, die Ungeheuer mit den zwölf, vierundzwanzig und sechsunddreißig Köpfen umgebracht habe. Es bleibe also nichts andres übrig, als ihm zu geben, was er verlangte.
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      Ich hab immer ein Messer dabei, falls es Kuchen gibt oder so...



    • Da wurde der Teufel sogleich sehr höflich und gab dem Burschen alle die ausständigen Zinsen in einem großen Sack. Als der Bursche wieder zum Höllenthor hinausging und auf seinem Geisbock fortreiten wollte, rief ihn die Drachenschlange zu sich und sagte, daß er sie nehmen und ihr die Haut herunterziehen solle. Das war zwar ein schweres Stück Arbeit, aber mit Geschick und gutem Willen geht ja alles, und so gelang es auch ihm schließlich. Und als er die Drachenhaut ganz heruntergezogen hatte, stand die lieblichste Prinzessin, die je ein Sterblicher gesehen, vor ihm. Diese setzte er dann auf seinen Geisbock hinauf, der jetzt sowohl sie und ihn, als auch den Sack mit den Zinsen tragen mußte; er trabte aber dennoch ganz rasch und munter davon, geradenwegs zurück an den Hof des Königs.

      Als sie so eine kurze Strecke weit geritten waren, sagte die Prinzessin, daß er zurückschauen solle. Da sah er, daß der Teufel mit seiner Großmutter, auf einer Ziege reitend, so schnell sie nur konnten, hinter ihnen drein kamen. Diese mußten irgend eine neue List im Schilde führen, die sie ermuthigte dem Burschen nachzueilen, um ihn einzuholen.

      Da drehte sich die Prinzessin einmal um und spuckte hinter sich auf den Weg aus, und daraus entstand ein großer See, über den der Teufel sammt seiner Großmutter mit der Ziege nicht kommen konnte; die zwei aus der Hölle legten sich aber nieder und begannen einfach den See auszutrinken, und sie brauchten auch gar nicht allzulange, so hatten sie den See schon ganz ausgetrunken.

      Währenddem aber hatten der Bursche und die Prinzessin einen Vorsprung gewonnen. Da sagte die Prinzessin zu ihm, daß er abermals zurückschauen möchte. Und wirklich kamen der Teufel und seine Großmutter auf der Ziege in vollem Galopp hinter ihnen drein geritten. Da warf die Prinzessin eine Glasperle hinter sich, aus der sogleich ein riesiger Glasberg wurde. Nun mußte der Teufel wieder nach Hause, um der Ziege scharfe Schuhe anzuziehen, mit denen sie über den Glasberg kommen konnte.

      Das nahm aber viel Zeit in Anspruch und die Flüchtigen gewannen wieder einen bedeutenden Vorsprung. Als aber die Prinzessin den Burschen zum drittenmal bat, zurückzuschauen, war ihnen der Teufel mit seiner Großmutter doch schon wieder auf den Fersen. Da rief die Prinzessin: »Hellicht vorne, stockfinster hinten! Hellicht vorne, stockfinster hinten!« Da entstand eine schreckliche Finsterniß und ein dichter Nebel hinter ihnen, während es vor ihnen hellichter Tag war. Sie ritten nun die gerade Landstraße weiter, bis sie in den Wald hinein und zu der Stelle hinkamen, an welcher damals der Rabe auf dem Baume gesessen und dem Burschen den guten Rath und das gute Schwert gegeben. Und richtig saß der Rabe wieder dort und hieß sie willkommen.

      Da sagte denn der Rabe zu dem Burschen: »Jetzt nimm mich, haue mir den Kopf ab und setze ihn mir wieder verkehrt auf.« Und als der Bursche gethan, wie ihm befohlen, stand an Stelle des Raben ein wunderschöner junger Prinz vor ihm, und das war der Bruder der Prinzessin, die als Drachenschlange verzaubert gewesen war.

      Wohlbehalten kamen dann alle drei zur Nachtzeit am Hof des Königs an. Weil sie aber keine Störung oder Unruhe verursachen wollten, führte der Bursche den Ziegenbock gleich in den Stall, an seinen alten Platz, und geleitete den Prinzen und die Prinzessin in seine Kammer hinauf und gab ihnen sein Bett, um darin zu ruhen, während er sich auf den Boden legte. Und alle drei schliefen süß ein.

      In derselben Nacht erwachte die Königin und weckte den König auf und sagte, daß sie geträumt habe, daß sein Laufbursche zurückgekommen sei und ihre zwei Kinder, die ihnen vor vielen Jahren gestohlen wurden, mitgebracht habe. »Ach, das ist ja nur ein Traum,« sagte der König, »laß mich schlafen!« Es währte aber nicht lange, da wurde die Königin von demselben Traum aufgeweckt; und als das zum drittenmale geschah, standen beide auf, um vorerst im Stall nach dem Geisbock zu sehen: – und wirklich! da stand er auf seinem alten Platz. Dann gingen sie zur Kammer des Burschen: – da lag er und schlief felsenfest am Boden und dort in seinem Bett lagen die beiden Kinder des Königs, die je wiederzusehen er schon längst die Hoffnung aufgegeben hatte.

      Da herrschte eine unbeschreibliche, grenzenlose Freude am Hof des Königs. Der arme Bursche wurde mit der Prinzessin, die er befreit und erlöst, verheiratet und kam mit ihr zu großem Reichthum. Ritter Roth aber wurde zum Lande hinausgejagt und der Prinz half seinem Vater bei der Regierung, bis er selbst das ganze Reich nach dem Tode desselben erbte.
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    • Zauberers Töchterlein

      Es war einmal ein Knabe, der auszog, um einen Dienst zu suchen; und als er so wanderte, begegnete er einem Manne, der ihn fragte, wohin er wollte. »Ja,« antwortete er, »ich gehe hinaus in die weite Welt, um mir einen Dienst zu suchen.« – »Da kannst du ja gleich mit mir gehen und bei mir dienen,« sagte der Mann; »ich brauche just einen solchen Knaben, wie du einer bist. Und du sollst auch einen recht guten Lohn bei mir bekommen: das erste Jahr einen Scheffel Geld, und zwei im zweiten, und drei im dritten; denn du mußt mir drei Jahre lang dienen und mir in allem und jedem gehorchen, und wenn es dir auch noch so sonderbar vorkommt. Aber du brauchst dich nie vor den Dingen, die ich dir befehle, zu fürchten, denn es ist nie eine Gefahr dabei, wenn du nur zu folgen verstehst.«

      Damit war die Sache abgemacht und der Knabe folgte dem Manne, bei dem er sich verdingt hatte, in dessen Wohnung. Und das war eine sonderbare Wohnung, denn er wohnte in einem Hügel mitten im wilden Wald; und der Knabe sah da keinen andern Menschen, als seinen Herrn; und der war ein gewaltiger Zauberer, der eine so große Macht über Menschen und Thiere hatte, daß es ganz entsetzlich war.

      Am darauffolgenden Tag sollte der Knabe seinen Dienst antreten. Fürs erste trug ihm der Zauberer auf, alle wilden Thiere des Waldes, die er gebunden hatte, zu füttern. Es waren sowohl Wölfe und Bären als Hirsche und Hasen, die der Zauberer in Herden und Hürden zusammengesammelt und in seinen Stall, der unter der Erde lag und wohl eine Meile lang und breit war, gebracht. Der Knabe verrichtete trotzdem seine Arbeit in einem Tage und der Zauberer lobte ihn und sagte, daß er seine Sache recht brav gemacht habe.

      Am nächsten Morgen sagte der Zauberer zu ihm: »Ja, heute brauchen die Thiere nicht gefüttert zu werden, denn sie bekommen nicht alle Tage etwas zu fressen. Jetzt will ich dir erlauben so lange zu spielen, bis sie wieder gefüttert werden müssen.« Darauf sagte der Zauberer noch einige Worte zu ihm, die er nicht verstand, und im selben Augenblick war aus dem Knaben ein Hase geworden, der in den Wald hinaussprang.

      Da konnte er freilich gut springen, aber das war auch nothwendig, und er mußte genug laufen; denn wer ihn nur immer erblickte, wollte auf ihn schießen, und die Hunde hetzten und setzten ihm bellend nach, sobald sie nur seine Fährte fanden. Jetzt war er ja das einzige Thier im Walde, denn der Zauberer hatte alle anderen unten in seinem Stall eingeschlossen, so daß alle Jäger des ganzen Landes große Lust hatten, dem Hasen einmal einen Treffer auf den Pelz zu geben. Sie hatten aber kein Glück dabei, denn es gab keinen Hund, der ihn einholen, und keinen Schützen, der ihn treffen konnte. Sie schossen immer und alleweil daneben, und der Hase lief und sprang immer weiter fort. Das war zwar ein sehr unruhiges Leben, aber endlich gewöhnte er sich daran, als er merkte, daß keine Gefahr für ihn dabei war; und schließlich machte es ihm sogar Spaß, alle die vielen Jäger sammt ihren Hunden, die so sehr auf ihn versessen waren, zum Narren zu halten.

      So ging es ein ganzes Jahr, und als dieses um war, rief ihn der Zauberer heim, denn er stand ja jetzt auch in seiner Macht, wie alle anderen Thiere. Dann sagte der Zauberer abermals einige Worte zu ihm, die er nicht verstand, und augenblicklich war aus dem Hasen wieder ein Mensch geworden. »Nun, wie gefällt dir dein Dienst bei mir?« fragte der Zauberer, »und wie gefällt es dir, ein Hase zu sein?« – »Oh, es gefällt mir recht gut,« erwiderte der Knabe, »nie konnte ich früher so schnell über Grund und Boden dahin laufen.« Darauf zeigte ihm der Zauberer den Scheffel Geld, den er schon verdient hatte, und der Knabe war es wohl zufrieden, ihm auch das nächste Jahr zu dienen.

      Am ersten Tag des neuen Dienstjahres hatte er dieselbe Arbeit zu verrichten, wie im vorigen Jahr: er mußte wieder alle Thiere im Stalle des Zauberers füttern. Und als er das gethan, sagte der Zauberer abermals einige Worte zu ihm, und da flog er als Rabe verwandelt hoch in die Luft empor. Das gefiel dem Knaben recht gut, denn jetzt konnte er ja noch viel schneller weiter kommen, als da er als Hase herumlief, und hier konnten ihn auch keine Hunde hetzen, so daß er rein zum Vergnügen herumfliegen konnte. Aber gar bald merkte er, daß er auch hier keinen Frieden hatte, wenn auch keine Gefahr für ihn vorhanden war; denn alle Schützen und Jäger, die ihn erblickten, nahmen ihn auf's Korn und knallten los, denn es war weit und breit kein anderer Vogel als der Rabe zu sehen, weil der Zauberer alle eingefangen hatte.

      Aber er gewöhnte sich auch daran, als er merkte, daß ihn niemand treffen konnte; und so flog er das ganze Jahr herum, bis ihn der Zauberer wieder heim rief und dann einige Worte zu ihm sagte, die ihm seine menschliche Gestalt zurückgaben. »Nun, wie gefiel es dir, als Rabe herumzufliegen?« fragte ihn der Zauberer. »Oh, es gefiel mir recht gut, denn alle meine Lebtage konnte ich früher nicht so hoch in die Luft hinaufkommen.« Darauf zeigte ihm der Zauberer die zwei Scheffel Geld, die er sich in diesem Jahre verdient hatte und die an der Seite des einen Scheffels vom vorigen Jahr standen. Und der Knabe blieb gerne noch das dritte Jahr in des Zauberers Diensten.

      Am nächsten Tag bekam der Knabe seine alte Arbeit: nämlich alle wilden Thiere zu füttern. Und als es geschehen war, sagte der Zauberer wieder einige Worte zu ihm, und aus dem Knaben war dabei ein Fisch geworden, der hinaus in den Waldbach sprang. Er schwamm darin auf und nieder und es unterhielt ihn ausgezeichnet, sich so mit dem Strome treiben zu lassen; und schließlich schwamm er bis ins Meer hinaus, und da schwamm er immer weiter und weiter, bis er einmal zu einem gläsernen Schloß kam, das auf dem Grunde des Meeres stand. Er konnte in alle Zimmer und Säle hineinschauen, und da sah es prächtig darin aus: alles Hausgeräthe war aus weißem Wallfischbein gemacht und mit Gold und Perlen eingelegt und mit den weichsten Kissen in allen Regenbogenfarben gepolstert, und ringsum lagen Teppiche, die wie das feinste Moos aussahen; und auch Blumen und Bäume waren da mit wunderlich gekrümmten Zweigen und Aesten, die sowohl grün und gelb, als roth und weiß waren. Und kleine Springbrunnen quellten aus den kunstreichsten Schneckenhäusern empor und ließen ihr Wasser in klare Muschelschalen niederfallen und machten damit die lieblichste Musik, die das ganze Schloß erfüllte. Aber das allerschönste von allem war doch ein kleines junges Mädchen, das da ganz allein herumging. Das Mädchen ging von einem Zimmer ins andere, aber man konnte nichts davon sehen, daß es auch eine Freude an all' der Pracht, die es umgab, gehabt hätte. Es ging so traurig in seiner Einsamkeit umher, und es fiel ihm nicht einmal ein, sich in den blanken Glaswänden, die sich ringsumher befanden, zu spiegeln, wiewohl es doch das Schönste und Niedlichste war, das man nur sehen konnte. Und dasselbe meinte auch der Knabe, während er rund um das Schloß herumschwamm und von allen Seiten hineinguckte.

      »Da möchte ich doch zehnmal lieber ein Mensch sein, als so ein armer, stummer Fisch, wie ich jetzt einer sein muß,« sagte der Knabe zu sich selbst. »Wer nur darauf kommen könnte, was für Worte der Zauberer immer spricht, wenn er mich verwandelt.« Er schwamm und grübelte und dachte nach, bis es ihm endlich einfiel, wie die Formel lautete, die der Zauberer sprach. Und da probirte er es sogleich, sie vor sich hin zu sagen: – und im selben Augenblick stand er auch schon als Mensch unten auf dem Grunde des Meeres.

      Da beeilte er sich in das gläserne Schloß hinein zu kommen und ging zu dem jungen Mädchen hin und sprach es an, das darüber beinahe auf den Tod erschrak. Aber er redete dem Mädchen so freundlich zu und erklärte ihr, wie er da herunter gekommen, so daß es sich bald wieder von seinem Schrecken erholte und dann recht froh war über die Gesellschaft, die es in seiner greulichen Einsamkeit, in der es seine Tage verbringen mußte, gefunden. Die Zeit verging nun den beiden so rasch, daß der Bursche, – denn jetzt war er ja schon ein vollkommener Bursche geworden und längst kein Knabe mehr – ganz und gar vergaß, wie lange er da gewesen war.

      Eines Tages sagte das Mädchen zu ihm, daß es nun an der Zeit sei, daß er sich wieder in einen Fisch verwandle, denn der Zauberer werde ihn jetzt bald heimrufen und er müsse dann fort. Aber noch vorher müsse er seine Fischgestalt haben, sonst könne er nicht lebend durchs Meer kommen. Jedoch schon früher, als er so da unten war, hatte es ihm gesagt, daß es eine Tochter desselben Zauberers sei, bei dem der Bursche diente, und der hatte sie hier unten eingeschlossen, damit er ruhig sein konnte, daß sie hier vollkommen sicher wäre. Des Zauberers Tochter hatte nun einen Rath ausfindig gemacht, wie sie es vielleicht ermöglichen könnten, sich wiederzusehen und sich dann zu bekommen und die Erlaubniß zu erhalten, bei einander bleiben zu dürfen. Aber dazu waren viele Dinge zu beobachten, und er mußte sehr genau Acht auf alles geben, was sie ihm sagte.
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    • Sie erzählte ihm, daß alle Könige in den Ländern rings umher dem Zauberer, ihrem Vater Geld schuldig seien; und der König in jenem Königreiche, dessen Namen sie ihm jetzt nannte, komme zunächst an die Reihe, seine Schuld bezahlen zu müssen; und konnte er zur rechten Zeit nicht bezahlen, so sollte er enthauptet werden. »Und er kann nicht bezahlen,« sagte sie, »das weiß ich ganz bestimmt.« – »Nun mußt du vor allem deinen Dienst bei meinem Vater kündigen, denn jetzt sind die ausbedungenen drei Jahre um und du kannst wieder weiter ziehen. Drum nimm deine sechs Scheffel Geld und wandere in das Königreich, das ich dir vorher bezeichnete, und tritt bei dem König desselben in Dienste. Wenn es nun gegen die Zeit geht, da, wie ich dir gesagt habe, die Schuld fällig ist, dann wirst du leicht bemerken, daß der König schlecht aufgelegt sein wird. Da mußt du ihm sagen, daß du wohl wüßtest, was ihn bedrücke, und daß es das Geld sei, das er dem Zauberer schulde, aber nicht bezahlen könne – denn ich weiß, daß er es nicht hat –. Aber du kannst es ihm leihen, denn es sind gerade sechs Scheffel, die du ja hast. Du darfst ihm jedoch das Geld nur unter der Bedingung leihen, daß er dich mitnimmt, wenn er zu meinem Vater geht, um zu bezahlen, und dir erlaubt, als Hofnarr vorauszulaufen. Kommst du dann zu dem Zauberer, so mußt du allerlei Narrenstreiche vollführen und schauen, daß du ihm eine Anzahl Fenster einschlagen kannst, wie überhaupt alle möglichen und erdenklichen Unglücke dieser Art anrichten. Darüber wird mein Vater schrecklich zornig werden; und weil der König verantworten muß, was sein Narr thut, so wird er ihn, trotzdem er seine Schuld bezahlt hat, verurtheilen, entweder drei Fragen richtig zu beantworten oder das Leben verlieren zu müssen. Die erste Frage, die mein Vater stellen wird, wird lauten: »Wo ist meine Tochter?« Da mußt du vortreten und sagen: »Sie ist auf des Meeres Grund.« Dann wird er dich fragen, ob du sie erkennen kannst, und darauf mußt du »Ja« antworten. Da wird er mit einer Menge Frauenzimmern hervorkommen und diese an dir vorbeiführen, damit du dir die aussuchen kannst, welche du für seine Tochter hältst. Aber du wirst mich auf keinen Fall erkennen können und deshalb werde ich dich, wenn ich an dir vorbeigehe, so zupfen, daß du es spüren kannst, und da mußt du mich augenblicklich packen und festhalten. Und damit hast du die erste Frage gelöst. Seine nächste Frage wird lauten: »Wo ist mein Herz?« Und da mußt du wieder vortreten und sagen: »Es ist in einem Fisch.« – »Kennst du diesen Fisch?« wird er dann fragen, und du mußt abermals »Ja« darauf antworten. Da wird er alle Arten von Fischen herkommen lassen und du mußt dann unter ihnen den rechten auswählen. Aber da werde ich schon Obacht geben, daß ich mich an deiner Seite aufhalten kann, und wenn der rechte Fisch kommt, werde ich dir einen schwachen Puff geben und da mußt du ihn schnell ergreifen und dich beeilen ihn aufzuschneiden. Dann ist es aus mit dem Zauberer und er wird keine weiteren Fragen mehr stellen.«

      Als der Bursche diesen guten Rath und Bescheid, was er alles zu thun, wenn er wieder auf festes Land komme, vernommen hatte, galt es nur noch sich zu erinnern, was es war, was der Zauberer immer sagte, wenn er ihn aus einem Menschen in ein Thier verwandelte. Aber das hatte er vergessen und des Zauberers Töchterlein wußte es auch nicht. Er ging den ganzen Tag wie verzweifelt herum und dachte und dachte, und sann und grübelte; – aber es fiel ihm doch nicht ein, wie die Formel lautete. Er konnte die ganze Nacht nicht schlafen und erst gegen die Morgenstunde fiel er in einen leisen Schlummer und da ging ihm plötzlich ein Licht auf und es fiel ihm ein, wie der Zauberer zu sagen pflegte. Er sagte es so schnell als möglich nach und augenblicklich war er wieder ein Fisch und huschte ins Meer hinaus. Gleich darauf wurde ihm gerufen und er schwamm im Nu durchs Meer und hinein in den Waldbach, an dessen Ufer der Zauberer stand und dieselben Worte wie sonst sprach und ihn wieder in einen Menschen verwandelte.

      »Nun, wie gefiel es dir als Fisch herumzuschwimmen?« fragte der Zauberer. »Ja, das hat mir noch am allerbesten gefallen,« antwortete der Bursche, und das war gewiß keine Lüge, wie jeder wissen kann. Darauf zeigte ihm der Zauberer die drei Scheffel Geld, die er sich im letzten Jahre verdient hatte und die neben den andern dreien standen, – und alle sechs gehörten jetzt ihm. »So wirst du mir wohl noch ein Jahr dienen wollen?« fragte ihn der Zauberer, »und dann bekommst du dafür sechs Scheffel, macht zusammen zwölf, und das ist gewiß ein schöner Lohn.« – »Nein,« erwiderte der Bursche, jetzt habe er genug und danke dem Himmel, daß diese Zeit um wäre, denn er sehne sich jetzt auch wo anders zu dienen und andere Leute und andere Bräuche zu sehen. Aber später wolle er vielleicht wieder einmal zu ihm zurückkommen. »Ja,« sagte der Zauberer, »dann wirst du mir jederzeit willkommen sein.« Der Bursche hatte ihm, wie sie miteinander ausgemacht hatten, durch drei Jahre treu gedient, sodaß er nichts dagegen einwenden konnte, daß der Bursche weiterziehen wollte.
      Er bekam jetzt seine sechs Scheffel Geld und machte sich auf den Weg geradeaus in das Königreich, das ihm seine Liebste damals genannt hatte. Er vergrub sein Geld auf einem heimlichen Orte in der Nähe des königlichen Hofes, und ging dann ins Schloß und bat, daß man ihn hier in Dienst nehme. Das geschah auch und er wurde da Stallknecht und mußte die Pferde des Königs warten und pflegen. So verging eine kurze Zeit und er richtete ein scharfes Augenmerk darauf, wie sich der König härmte und niemals ruhig oder fröhlich gewesen. So kam er eines Tages wieder in den Stall hinunter und da war niemand anderes zur Stelle als unser Stallknecht, der jetzt geradeheraus zum König sagte, daß er mit »Seiner Majestät allergnädigster Erlaubniß« ihn fragen wollte, warum er denn immer gar so traurig sei und sich so abhärme. »Was hilft es darüber zu sprechen,« entgegnete der König, »du kannst mir ja doch nicht helfen.« – »Ja, das könne Seine Majestät doch nicht wissen,« sagte der Knecht darauf, »denn ich weiß es ja doch ganz genau, was dem König so schwer auf dem Herzen liegt; und ich weiß sogar Rath, wie das Geld bezahlt werden kann.« Ja, das war eine andere Sache und der König ließ sich weiter in ein Gespräch mit diesem Stallknecht ein, der sagte, daß er ihm die sechs Scheffel Geld wohl leihen könnte, es aber nur unter der Bedingung thue, daß er ihn mitnehme und ihn als Hofnarren gekleidet vorauslaufen lasse, wenn er zu dem Zauberer reise, um seine Schuld zu bezahlen. Er wolle zwar einige Tollheiten begehen, für die der König strenge zur Rechenschaft gezogen würde, aber er werde schon selbst alles so verantworten, daß dem Könige nicht das geringste Leid zugefügt werden könnte. Der König ging mit Freuden auf alles ein, was sein Stallknecht verlangte; und es war jetzt auch schon die höchste Zeit, daß sie sich auf die Strümpfe machten.

      Als sie endlich zur Wohnung des Zauberers kamen, befand sich diese nicht innerhalb des Hügels, sondern oben auf demselben stand ein großes Schloß, das der Bursche früher noch nie gesehen hatte – denn der Zauberer konnte es ja ganz nach seinem Belieben sichtbar oder unsichtbar machen. Und nach allem, was der Bursche von des Zauberers Künsten schon kannte, wunderte er sich auch gar nicht darüber. Als sie ganz in die Nähe des Schlosses kamen, das aussah, als wäre es nur aus reinstem Glas, da lief der Bursche voraus als der Hofnarr des Königs Er sprang vorwärts und rückwärts und stand bald auf dem Kopf, bald auf den Beinen und schlug dabei so viele große Glasscheiben und Glasthüren des Zauberers zusammen, daß es ganz entsetzlich war, und warf um was er nur irgend konnte, und richtete eine gefährliche Zerstörung an.

      Der Zauberer stürzte ganz wüthend vor Zorn heraus und schimpfte den König wie einen alten Schuhlappen herunter, weil er einen solchen unbändigen Narren mit sich führte, und sagte: daß ihm der König nicht den geringsten Schaden, den ihm der Narr zugefügt hatte, ersetzen könnte, nachdem er nicht einmal im Stande sei, seine alte Schuld auszugleichen. Aber da ergriff der Hofnarr das Wort und sagte: »O ja, er ist es schon im Stande!« Und der König rückte mit den sechs Scheffeln Geld heraus, die ihm der Bursche geliehen hatte. Die wurden dann abgemessen, und alles stimmte genau. Darauf hatte der Zauberer freilich nicht gerechnet, aber er konnte nichts dagegen einwenden. Die alte Schuld war also richtig bei Heller und Pfennig bezahlt und der König erhielt seine Schuldverschreibung wieder zurück. Aber damit war der Schaden, der dem Zauberer heute zugefügt worden, noch nicht ersetzt und der König hatte auch nichts, um ihn zu bezahlen. Da sprach der Zauberer das Urtheil über ihn aus, daß er entweder drei Fragen, die er ihm aufgeben werde, richtig beantworten müsse, oder doch enthauptet werden solle, wie es im Contract der alten Schuld stand.
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    • Da blieb nichts anderes übrig, als zu versuchen, des Zauberers Räthsel aufzulösen. Der Narr stellte sich knapp an die Seite des Königs, während der Zauberer mit seinen Fragen herausrückte. Und zuerst fragte er: »Wo ist meine Tochter?« Da ergriff der Narr das Wort und sagte: »Sie ist unten auf des Meeres Grund.« – »Woher weißt du das?« fragte darauf der Zauberer. »Das hat der kleine Fisch gesehen,« antwortete der Narr. »Würdest du sie erkennen?« fragte der Zauberer weiter. »O ja, komme nur her mit ihr,« erwiderte der Hofnarr. Da ließ der Zauberer eine ganze Reihe von Mädchen an ihm vorbeigehen, eins hinter dem andern; aber das waren nichts als Schatten, Schein und Blendwerk. Beinahe zu allerletzt kam wirklich des Zauberers Töchterlein. Das zupfte den Narren im Vorbeigehen, daß er es spüren konnte, denn es zwickte ihn so in den Arm, daß er beinahe laut aufgeschrien hätte. Aber er that es doch lieber nicht, sondern faßte sie rasch um den Leib und hielt sie fest. Jetzt sah der Bursche schon selbst, daß er das rechte Mädchen getroffen, und der Zauberer mußte zugestehen, daß sein erstes Räthsel gelöst war.

      Jetzt fragte er weiter: »Aber wo ist mein Herz?« – »Das ist in einem Fisch,« antwortete der Hofnarr. »Kennst du diesen Fisch auch?« fragte der Zauberer. »Ja, lasse ihn nur herkommen!« war die Antwort des Narren. Da kamen alle Fische vorbeigeschwommen, und währenddem stand seine Liebste, des Zauberers Töchterlein an seiner Seite. Als ganz zuletzt der Rechte kam, gab sie ihm einen leisen Puff und er ergriff so rasch als möglich den Fisch, stieß ihm das Messer in den Leib, schlitzte ihn auf, riß ihm das Herz heraus und schnitt dieses mitten entzwei.

      Da fiel im selben Augenblick der böse Zauberer todt um und in lauter Kieselsteine auseinander. Und alle Fesseln, die der Zauberer gelegt hatte, sprangen zu gleicher Zeit; und alle die wilden Thiere und Vögel, die er zusammengefangen und unter der Erde eingeschlossen hielt, kamen jetzt hervor und zerstreuten sich im Walde und in der Luft. Und der Bursche ging mit seiner Liebsten in das Schloß, das nun ihnen gehörte, und da hielten sie ihre Hochzeit, und alle Könige, die ringsumher regierten und sämmtlich Schuldner des Zauberers, jetzt aber von allen Schulden befreit waren, kamen zur Hochzeitsfeier und erwählten den Burschen zu ihrem Kaiser, und er regierte sie in Frieden miteinander und lebte mit seiner schönen Frau Kaiserin in Herrlichkeit und Freuden auf seinem Schlosse. Und wenn sie seitdem noch nicht gestorben sind, so leben sie heute noch.
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    • Die weiße Taube

      Es war einmal ein König und der hatte zwei Söhne. Das waren ein paar recht verwegene Burschen, denen alle Augenblicke eine andere Tollheit im Kopfe steckte. So ruderten sie eines Tags in einem kleinen Nachen allein ins weite Meer hinaus. Anfangs hatten sie das schönste Wetter, als sie hinausruderten; kaum waren sie aber eine Strecke weit vom Land entfernt, erhob sich ein furchtbarer Sturm. Die Ruder wurden ihnen gleich weggerissen und das kleine Boot schaukelte wie ein Nußschälchen auf den wilden Wogen auf und nieder, und wurde so hin- und hergeschleudert, daß die Prinzen nichts anderes thun konnten, als sich so fest als möglich an den Ruderbänken anzuhalten, um nicht über Bord geworfen zu werden.

      Da trafen sie auf ein wunderliches Fahrzeug, und das war ein Backtrog, in dem ein einzelnes altes Weib saß. Sie rief ihnen zu und sagte, daß sie glücklich ans Land kommen könnten, wenn sie ihr den Sohn, den ihre Mutter, die Königin bald bekommen werde, dafür versprechen wollten. »Das können wir nicht!« riefen die beiden als Antwort, »er gehört nicht uns und so können wir ihn auch nicht hergeben.« – »Ja, dann könnt ihr meinetwegen alle beide auf dem Grund des Meeres verfaulen,« sagte das alte Weib; »und ich möchte fast glauben, daß eure Mutter lieber ihre zwei Söhne, die sie schon hat, behalten wollen wird, als einen der erst auf die Welt kommen soll.«

      Damit ruderte sie in ihrem Backtrog davon, während der Sturm noch lauter als vorher heulte und das Wasser das Boot der beiden Prinzen allmählich füllte, sodaß sie bereits nahe daran waren unterzusinken. Da dachten die Prinzen, daß doch etwas daran sei an dem, was das Weib gesagt hatte, und sie selbst wollten auch gerne ihr Leben retten, und sie riefen dem Weibe nach und versprachen ihr, daß sie bekommen solle, was sie verlangte, nämlich ihren noch ungebornen Bruder, wenn sie sie nur erretten wollte aus dieser gräßlichen Lebensgefahr, in der sie sich da auf dem offenen Meer befanden. Im selben Augenblick legte sich der Sturm und hörte zu heulen auf, die Wellen und Wogen beruhigten sich plötzlich und der Nachen trieb mit den beiden unversehrten Prinzen vor des Königs Schloß. Sie kamen also gut heim und wurden mit offenen Armen von Vater und Mutter empfangen, die schon eine gräßliche Angst ihretwegen ausgestanden hatten.

      Die Brüder sagten aber gar nichts von ihrem Versprechen; jetzt nicht und auch dann nicht, als die Königin den dritten Sohn, einen hübschen Knaben, den sie über alles in der Welt liebte, gebar. Er wurde aufgezogen und erzogen und unterrichtet und belehrt am Hofe seines Vaters bis er erwachsen war, aber noch immer hatten seine Brüder von der Hexe nichts gesehen und nichts gehört, der sie ihn versprochen, bevor er noch geboren war.

      Da erhob sich eines Abends plötzlich ein schrecklicher Sturm mit Finsterniß und Nebel; es brauste und sauste um den Hof des Königs und zugleich pochte es heftig an der Thüre des Saales, in welchem sich der jüngste Prinz befand. Da ging er zur Thüre hin und öffnete, und vor ihm stand ein altes Weib mit einem Backtrog am Rücken und sagte zu ihm, daß er ihr augenblicklich folgen müsse, denn seine Brüder hätten ihr ihn dafür versprochen, daß sie ihnen das Leben rettete. »Ja, wenn du meinen Brüdern das Leben gerettet hast und sie mich dir dafür versprochen haben, dann will ich dir auch folgen,« antwortete der Königssohn. Dann gingen sie zusammen zum Strand hinunter und er mußte sich mit der Hexe in den Backtrog setzen, und sie segelte mit ihm fort übers Meer, oder über eine Bucht des Meeres, heim in ihre Wohnung.

      Nun war der Königssohn in der Gewalt der Hexe und in ihren Diensten. Das erste, was er von ihr zu thun bekam, war, daß er Federn schleißen sollte. »Diesen Haufen Federn, den du hier siehst, mußt du bis heute Abend, wenn ich wiederkomme, fertig geschlissen haben,« sagte die Hexe, »sonst bekommst du eine noch viel schwerere Arbeit.« Er machte sich gleich darüber und zupfte und schliß, bis nur noch eine einzige Feder übrig war, die er noch nicht in der Arbeit gehabt hatte. Da erhob sich plötzlich ein Wirbelwind und zauste alle Federn herum und fegte sie auf dem Boden wieder zu einem Haufen zusammen, daß sie so dalagen, wie sie gelegen als sie noch nicht geschliffen waren. So mußte er seine Arbeit von vorne an beginnen; aber es fehlte nur noch eine Stunde bis zum Abend, an dem ja die Hexe zurück nach Hause kam, und er sah leicht ein, daß es ihm rein unmöglich war, zur bestimmten Zeit fertig zu werden.

      Da hörte er etwas an der Fensterscheibe picken und eine feine Stimme sagte: »Laß mich herein, dann will ich dir helfen!« Und das war eine weiße Taube, die vor dem Fenster saß und mit dem Schnabel an die Scheibe pickte. Er öffnete und die Taube flog herein und begann sofort mit dem Schnabel alle Federn auseinander zu schleißen. Und ehe eine Stunde vorüber war, lagen alle Federn wundernett geschlissen da; die Taube flog zum Fenster hinaus und im selben Augenblick kam auch die Hexe zur Thüre herein.

      »Schau, schau!« sagte die alte Hexe, »das ist ja mehr als ich dir zugetraut hätte, daß du die Federn so hübsch in Ordnung bringen konntest! Es muß doch etwas besonders Flinkes in den Fingern von so einem Königssohn stecken.« Am andern Morgen sagte dann die Hexe zu dem Prinzen: »Für heute sollst du eine ganz leichte Arbeit bekommen. Hier draußen vor der Thüre habe ich einen Haufen Brennholz liegen, das sollst du mir alles klein spalten, damit ich es zum Feuermachen brauchen kann. Das ist schnell geschehen, aber du mußt fertig werden, bis ich wieder heimkomme.«

      Der Prinz bekam eine kleine Hacke und begab sich sogleich an die Arbeit. Er hackte und spaltete munter drauf los, und es schien ihm, als ginge es recht rasch von der Hand, aber der Tag verging, und Mittag war längst vorbei und er war bei weitem noch nicht fertig. Es schien ihm, als würde der Holzstoß eher größer als kleiner, so viel er auch davon wegnehmen mochte. Da ließ er die Hände sinken, trocknete sich den Schweiß von der Stirne und es wurde ihm recht übel zu Muthe, denn er wußte ja, daß es ihm nicht gut ergehen würde, wenn er bis zur Heimkunft der Hexe nicht fertig mit seiner Arbeit wäre.

      Da kam die Taube geflogen, setzte sich auf den Holzstoß, girrte und sagte: »Soll ich dir helfen?« – »Ja, ich danke dir recht schön dafür, daß du mir gestern geholfen und heute helfen willst!« sagte der Königssohn. Und sogleich machte sich die weiße Taube an die Arbeit und spaltete ein Scheit Holz nach dem andern mit ihrem Schnabel. Und es ging so schnell, daß ihr der Königssohn das gespaltene Holz gar nicht schnell genug wegräumen konnte. Und in kürzester Zeit war alles Holz in ganz kleine Spähne gehackt und gespalten.

      Darauf flog die weiße Taube zu ihm hin und setzte sich auf seine Schulter; und der Prinz dankte ihr, schmeichelte und streichelte ihr die weißen Federn und küßte sie auf den kleinen, rothen Schnabel. Da war plötzlich keine Taube mehr da, sondern eine blühend schöne Jungfrau stand an seiner Seite. Sie erzählte ihm dann, daß sie eine Prinzessin sei, die die Hexe entweder gestohlen oder auf dieselbe Weise, wie jetzt ihn, in ihre Gewalt bekommen und dann zur Taube verwünscht habe. Mit seinem Kuß aber bekam sie ihre menschliche Gestalt wieder; und wenn er ihr treu bleiben und sie zur Frau nehmen wolle, so könne sie sowohl ihn, als sich selbst leicht aus der Gewalt der Hexe befreien.

      Der Königssohn war sogleich ganz eingenommen von der Schönheit der Prinzessin und gerne bereit, alles was immer zu thun, um sie für sich zu gewinnen und als Gemahlin zu bekommen. Da sagte sie zu ihm: »Wenn jetzt die Hexe heimkommt, so bitte sie, dir einen Wunsch zu erfüllen, weil du alles, was sie dir aufgetragen, so gut verrichtet hast. Und wenn sie »Ja« sagt, so bitte sie gerade heraus um die Prinzessin, die sie hier auf ihrem Hof hält und die jetzt als weiße Taube herumfliegen muß. Zuerst mußt du mir aber einen rothen Seidenfaden um den kleinen Finger winden, damit du mich in jeder Gestalt, in die sie mich verwandeln wird, immer sogleich wiedererkennst.«
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    • Der Prinz wand ihr schnell einen rothen Seidenfaden um den kleinen weißen Finger und im selben Augenblick war die Prinzessin wieder eine Taube und flog davon. Und gleich nach ihr kam die alte Hexe mit ihrem Backtrog auf dem Rücken heim. »Na, das muß ich sagen,« rief sie verwundert aus, »du bist flink bei deiner Arbeit; und so etwas sind Prinzenhände doch sonst nicht gewöhnt!« Da sagte der Königssohn: »Weil Ihr so zufrieden seid mit meiner Arbeit, werdet Ihr mir wohl auch ein kleines Vergnügen bereiten wollen und mir etwas geben, das ich zu besitzen Lust hätte?« – »O ja, recht gerne,« sagte das Weib, »und was ist es denn, was du haben willst?« – »Ich möchte die Prinzessin, die sich hier auf deinem Hof befindet und als weiße Taube verwandelt herumfliegt,« antwortete der Prinz. »Ah, papperlapapp!« rief die Hexe, »wie kommst du denn auf den Gedanken, daß Prinzessinnen in meinem Hofe als weiße Tauben herumfliegen. Aber wenn du schon durchaus eine Prinzessin haben willst, so sollst du auch eine solche bekommen, wie wir sie hier auf dem Hofe haben.« Und dann kam sie dahergeschleppt mit einer kleinen, grauwolligen und langohrigen Eselin. »Willst du diese haben?« fragte das Weib; – »eine andere Prinzessin kannst du nicht bekommen.«

      Jetzt strengte der Königssohn seine Augen scharf an und sah den kleinen rothen Seidenfaden um den einen Huf der Eselin gewunden, und da sagte er gleich: »Ja, die ist mir schon recht, gieb sie nur her!« – »Ah, was willst du denn damit machen?« fragte die Hexe. »Ich will darauf reiten,« antwortete der Prinz. »Ja, thue es nur!« rief die Hexe und zog aber zugleich die Eselin fort. »Wo kommt denn meine Eselin hin?« sagte der Prinz, »sie gehört ja mein und ich will sie haben!« – »Ja, ganz gewiß!« erwiderte die Hexe und kam mit einem alten, runzlichen zahnlosen Weib, das an den Händen zitterte, daher. »Eine andere Prinzessin kriegst du nicht,« sagte sie, »willst du diese haben?« – »Ja, die will ich,« antwortete der Prinz, denn er hatte seinen rothen Seidenfaden am Finger des alten Weibes schon gesehen.

      Da wurde die Hexe so fuchsteufelswild, daß sie tobte und herumfuhr und alles in Stücke schlug, was sie nur erreichen konnte, so daß die Scherben dem Prinzen und der Prinzessin, welche jetzt in ihrer eigenen schönen Gestalt dastand, um die Ohren flogen und sausten.

      Darauf sollten sie also Hochzeit halten, denn die Hexe mußte halten, was sie versprochen hatte, und der Prinz mußte die Prinzessin um jeden Preis bekommen. Da sagte die Prinzessin zu ihm: »An der Hochzeitstafel darfst du essen, was du willst, aber keinen Tropfen trinken; denn wenn du das thust, so vergissest du mich.« Aber am Hochzeitstag hatte der Prinz längst darauf vergessen und er streckte die Hand aus und nahm einen Becher Wein. Die Prinzessin jedoch paßte genau auf und gab ihm einen Stoß mit dem Ellenbogen, daß er den Wein über das Tischtuch verschüttete. Da fuhr die Hexe wieder auf und schlug um sich auf Kannen und Schüsseln, daß ihnen die Scherben um die Ohren flogen, gerade so wie das erstemal, als sie toll wurde.

      Dann wurden sie in die Brautkammer geführt; die Thüre wurde verschlossen und die Prinzessin sagte: »Jetzt hat die Hexe gehalten, was sie versprochen, aber fernerhin wird sie uns gutwillig nichts Gutes mehr erweisen; daher müssen wir auf der Stelle fliehen. Ich werde zwei Scheiter Holz ins Bett legen, welche für uns antworten müssen, wenn die Hexe mit uns spricht. Du mußt noch den Blumentopf und das Glas Wasser, das dort am Fenster steht, mitnehmen und dann müssen wir uns durch dieses Fenster hinausschleichen und schauen, daß wir weiter und davon kommen.«

      Wie gesagt, so gethan. Sie schlichen sich durchs Fenster und eilten in der finsteren Nacht davon, und die Prinzessin machte den Wegweiser, denn sie kannte den Weg, den sie ausspionirt hatte, während sie als Taube herumflog. Gegen Mitternacht kam die Hexe an die Thüre der Brautkammer und rief hinein, und die zwei Scheiter Holz antworteten ihr, so daß sie glaubte, das Brautpaar sei drinnen, und ging wieder. Vor Tagesanbruch war die Hexe schon wieder vor der Thüre und rief hinein, und abermals antworteten ihr die zwei Scheiter Holz. Da glaubte sie, das junge Ehepaar sei drinnen; und als die Sonne aufging – da war die Brautnacht vorbei – und sie hatte ihr Versprechen gehalten! und konnte nun Gift und Galle über die beiden ergießen und all' ihren Zorn um sich zu rächen an ihnen auszulassen. Mit dem ersten Sonnenstrahl stürzte die Hexe in die Kammer hinein; – aber da fand sie jetzt weder einen Prinzen noch eine Prinzessin, und nichts anderes, als die zwei Scheiter Holz, welche da im Bett lagen und sie anglotzten, ohne ein Wort zu sagen. Diese packte sie und schleuderte sie so um den Boden, daß sie in tausend Spähne zersplitterten; und dann fuhr sie davon und den Fliehenden nach.

      Als der erste Sonnenstrahl hervorbrach, sagte die Prinzessin zu ihrem Prinzen: »Sieh dich um! Siehst du etwas hinter uns?« – »Ja, ich sehe in weiter Ferne eine dunkle Wolke,« antwortete er. »Dann wirf den Blumentopf rückwärts über dein Haupt,« sagte die Prinzessin. Als er dies gethan, war hinter ihnen ein großer, dichter Wald entstanden; und als die Hexe zu diesem hinkam, konnte sie nicht eher durch denselben kommen, als bis sie nach Hause eilte und sich ihre Axt holte und sich mit derselben einen Weg durch den Wald bahnte.

      Bald darauf sagte die Prinzessin abermals zu dem Prinzen: »Sieh dich um, siehst du etwas hinter uns?« – »Ja,« sagte der Prinz, »die große schwarze Wolke ist wieder da.« – »Dann wirf das Glas Wasser rückwärts über dein Haupt!« sagte die Prinzessin. Und als er es gethan hatte, war hinter ihnen ein großer See entstanden; und über diesen konnte die Hexe nicht eher hinüber kommen, als bis sie noch einmal nach Hause gelaufen war und ihren Backtrog geholt hatte.

      Inzwischen waren die Flüchtlinge aber gerade vor das Schloß gekommen, in dem der Prinz zu Hause war. Sie kletterten geschwinde über die Gartenmauer und liefen quer durch den Schloßpark und schlüpften durch ein offenes Fenster hinein. Jetzt war die Hexe schon dicht hinter ihnen; da stellte sich die Prinzessin ans Fenster und blies auf die Hexe hinunter; und – hundert weiße Tauben flogen aus ihrem Mund heraus und sausten und flatterten der Hexe um den Kopf, daß sie darüber fuchsteufelswild wurde und in lauter Kieselsteine zersprang, und da liegt noch ein Stück von ihr als ein großer Kieselstein vor dem Fenster.

      Aber auf dem Schlosse herrschte jetzt die größte Freude über den wiedergekehrten Prinzen und seine schöne Braut. Und seine zwei älteren Brüder kamen, fielen vor ihm nieder und bekannten ihre Sünde. Er sollte nun allein das ganze Reich erben und regieren und sie wollten seine treuen Unterthanen werden.
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    • Es waren einmal ein Paar Bauersleute in Jütland, die zwar einen recht guten Bauernhof, aber keine Kinder hatten. Da saßen sie oft beisammen und beklagten sich darüber, daß sie aber auch gar keine Angehörigen besaßen, denen sie einmal all' ihren Wohlstand, in dem sie jetzt so warm drin saßen, hinterlassen konnten. So stand es mit ihnen und sie wurden reich – aber es war niemand da, der den großen Reichthum erben sollte!

      Eines Jahres schaffte sich der Mann ein schönes Stierkalb an, das nannten sie Peter. Und es war wirklich das prächtigste Stück Vieh, das man je gesehen; so schön und so gescheidt war es, daß es alles verstand, was man zu ihm sagte. Dabei war es so zuthunlich und so lustig, daß es sowohl der Mann als auch die Frau bald so lieb gewannen, als wäre es ihr eigenes Kind.
      Eines Tages sagte der Mann zu seiner Frau: »Vielleicht könnte unser Küster dem Peter gar das Reden lehren; denn dann könnten wir nichts besseres thun, als ihn an Kindesstatt annehmen und er könnte dann einmal alles erben, was uns gehört und was wir haben.« – »Ja, wer kann es denn wissen!« antwortete die Frau; »unser Küster ist ja doch sonst ein so gescheidter Mann, der etwas mehr als sein Vaterunser versteht, und ich möchte glauben, daß er unserm Peter auch noch das Reden wird lehren können, denn der Peter hat ja einen so ausgezeichnet guten Kopf aufsitzen! – Väterchen, du könntest den Küster ja einmal fragen!«

      Und der Mann stolperte richtig hinauf zu dem Küster und fragte ihn, ob er nicht glaubte, seinem Kalb das Reden lehren zu können, weil er dieses gar zu gerne als seinen Erben einsetzen möchte. Der Küster war nicht so dumm als er ausschaute, er sah sich vorsichtig um, ob niemand in der Nähe wäre, der sie hören könnte und dann sagte er, daß er es schon könne: »Nur darfst du es niemandem sagen,« flüsterte er ihm zu, »denn es muß mit der größten Heimlichkeit geschehen, und der Pfarrer darf durchaus nichts davon erfahren, sonst käme ich in die gräßlichsten Verlegenheiten, weil es eigentlich eine verbotene Sache ist. Und es wird auch ein schönes Stück Geld kosten, weil man dazu ganz besonders kostbare und seltene Bücher braucht.« – »Ja, das ist alles Eins,« sagte der Mann, »es kommt mir nicht so genau darauf an, was es kostet;« dann sagte er noch, daß er fürs erste hundert Thaler um die Bücher anzuschaffen hergeben wolle, und versprach vollkommen reinen Mund zu halten, sowie auch, daß er gegen Abend mit seinem Kalb wiederkommen werde.

      Darauf gab er dem Küster die hundert Thaler und brachte abends das Kalb selbst zu ihm hin, und der Küster versprach, sein Bestes thun zu wollen. Nach etwa acht Tagen kam der Bauer wiederum, um sein Kalb zu hören und zu sehen wie es ihm ginge. Aber der Küster sagte, daß er es noch nicht sehen dürfe, sonst bekäme der Peter zu großes Heimweh und möchte am Ende alles wieder vergessen, was er schon gelernt habe. Sonst ginge es aber recht gut mit dem Lernen, aber der Bauer müsse noch mit weiteren hundert Thalern herausrücken, weil der Peter noch mehr Bücher brauche. Der hatte das Geld gerade bei sich und gab es dem Küster und ging wieder voll der schönsten Hoffnungen nach Hause.

      Und nachdem abermals acht Tage vorüber waren, ging der Mann wieder zum Küster um sich zu erkundigen, welche Fortschritte der Peter bis jetzt gemacht habe. Es ginge schon leidlich gut, sagte der Küster. »Ja, kann er denn schon etwas reden?« fragte der Bauer. »Ja,« antwortete der Küster, »er kann »Meh« sagen.« – »Ach, das arme Vieh ist gewiß krank!« rief der Bauer aus; »Meth wird der Peter wollen! Da muß ich ihm doch gleich einen Krug voll holen und ihm eingeben.« – »Da thust du wohl daran,« sagte der Küster drauf, »der wird dem Peter sicherlich gut thun.« Und noch am gleichen Tag brachte der Bauer einen ganzen Krug voll guten alten Meth daher. Den trank aber der Küster selbst und gab dem Kalb lieber Milch, die diesem gewiß besser that als der Meth, wie er glaubte.

      Acht Tage später kam der Mann wieder, um zu erfahren, was Peter jetzt sagen könnte. »Er will noch immer nichts anderes sagen als: Meh!« sagte der Küster. »Ah! das ist doch ein feiner Schelm,« rief der Bauer aus, »also will er noch mehr Meth haben? – Nun, den will ich ihm wahrhaftig gerne kaufen, wenn er ihm nur schmeckt. – Aber wie geht's denn sonst mit dem Lernen?« – »Ja,« antwortete der Küster, »er ist so weit gekommen, daß er noch um hundert Thaler Bücher braucht, denn er kann aus den Büchern, die er schon bekommen hat, nichts Richtiges mehr lernen.« – »Nun ja!« antwortete der Bauer, »was er braucht, das soll er auch haben.« Am gleichen Tag brachte er dann dem Küster noch die dritten hundert Thaler für Bücher und einen Krug mit gutem alten Meth für den Peter.

      Dann vergingen einige Wochen, ohne daß sich der Mann nach dem Peter erkundigt hätte, denn er hatte schon eine gewisse Angst davor, daß ihm dies neue hundert Thaler kosten würde; und die hätte er nur mehr mit Sträuben hergegeben, denn es that ihm allmählich leid um das viele schöne Geld, das ihm Peters Unterricht schon kostete. Inzwischen meinte der Küster, das Kalb sei jetzt so fett geworden, als es überhaupt fett werden konnte, und darum schlachtete er es. Und als er dann alles Fleisch vorsichtig auf die Seite gebracht hatte, ging er hin und zog seine schwarzen Kleider an und ging dann zu den Bauersleuten hin. Sobald er ihnen einen »Guten Tag« gewünscht hatte, sagte er: »Der Peter ist doch wohl schon zu Euch da heim gekommen?« – »Nein, wahrhaftig nicht!« erwiderte der Bauer, – »er wird doch nicht davongelaufen sein?« – »Ah, ich will nicht hoffen,« – antwortete der Küster darauf, – »daß er jetzt, nachdem ich mir so viel Mühe mit ihm gegeben und ihm etwas Richtiges gelernt habe, noch so heimtückisch böse sein sollte und mein Vertrauen so mißbrauchen würde! Denn ich habe mindestens noch hundert Thaler von meinem eigenen Geld zu Büchern für ihn ausgelegt, bis ich ihn endlich so weit brachte. Nun konnte Peter schon alles reden, was nur vorkam und was er nur wollte; und so sagte er heute, daß er sich schon gar so sehr sehne, seine Eltern einmal wiederzusehen. Da ich ihm das Vergnügen gern bereiten wollte, aber fürchtete, daß er sich nicht allein heimfinden würde, so machte ich mich fertig, zog mich an und wollte ihn begleiten. Als wir aber vor dem Hausthor waren, fiel es mir plötzlich ein, daß ich meinen Stock daheim vergessen habe und so lief ich gleich zurück um ihn zu holen. Als ich aber wieder zum Hause herauskam, war Peter auf eigene Faust seiner Wege gelaufen. Da glaubte ich nicht anders, als daß er hieher zu Euch gelaufen sein muß. Sonst wüßte ich nicht, wo er sein könnte.«

      Da begannen die Leute zu jammern und zu klagen, weil Peter gerade jetzt verloren ging, jetzt, da sie Freude an ihm hätten erleben können und nachdem sie so viel Geld für seine Studien ausgegeben hatten. Und was das Schlimmste war, sie hatten jetzt doch wieder keinen Erben. Der Küster versuchte sie zu trösten so gut er konnte und war auch sehr traurig darüber, daß sich Peter so aufführte und ihm jetzt, da er seinem Lehrer so viel Ehre hätte machen können, so etwas anthat. Aber er hat sich vielleicht nur verirrt, meinte der Küster und versprach ihn am nächsten Sonntag in der Kirche öffentlich zu verlesen, ob er nicht vielleicht von jemand gesehen worden sei. Dann sagte er ihnen »Lebewohl« und ging heim und verspeiste einen guten, fetten Kalbsbraten.

      Eines Tags las der Küster, der sich Zeitungen hielt, zufällig, daß sich in einer Stadt ein neuer Kaufmann namens Peter Ochs niedergelassen habe. Da steckte er das Zeitungsblatt in die Tasche und ging sogleich zu den betrübten Bauersleuten, die ihren Erben verloren hatten, hinüber. Er las ihnen diese Notiz vor und sagte dann: »Man könnte beinahe glauben, daß das Euer Peter Kalb ist.« – »Ja, ganz gewiß!« rief der Bauer aus, »wer sollte es denn sonst sein?« – Jetzt sagte auch die Frau: »Ja, Väterchen, jetzt mußt du fort und ihn besuchen, denn ich weiß ganz bestimmt, daß es nur unser Peter sein kann. Aber du mußt tüchtig Geld mitnehmen, denn wer weiß, ob er es nicht recht nothwendig braucht, jetzt, da er ein Kaufmann geworden ist.«

      Andern Tags nahm der Bauer einen Sack voll Geld auf die Schulter, steckte ein Butterbrod in die Tasche und seine Pfeife in den Mund, und so reiste er fort in die Stadt, in der der neue Kaufmann wohnte. Es war das durchaus kein kurzer Weg und er mußte viele Tage lang reisen, bis er endlich eines Morgens bei Tagesanbruch dort anlangte; und er kam an Ort und Stelle und fragte, ob der Kaufmann zu Hause sei. »Ja,« antworteten ihm die Hausleute, aber er sei noch nicht aufgestanden. »O, das macht gar nichts, denn ich bin ja sein Vater!« sagte der Bauer, »führt mich nur hinauf zu ihm.«
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    • Und man führte ihn hinauf in die Schlafkammer des Kaufmanns, der noch ledig war und allein in der Kammer schlief. Und sobald ihn der Bauer erblickte, erkannte er seinen Peter sogleich wieder; das war ja dieselbe breite Stirne und derselbe dicke Hals mit dem starken Nacken und dieselben rothen Haare, aber sonst sah er jetzt ganz wie ein Mensch aus. Er ging gleich zu ihm hin und wünschte ihm einen guten Morgen und sagte: »Na, Peter, was hast du uns für einen Kummer bereitet, sowohl mir als deiner Mutter, weil du gerade damals davongerannt bist, als wir dir etwas lernen ließen! Jetzt aber schaue nur, daß du auf die Beine kommst, daß ich dich einmal recht sehen und mit dir plaudern kann!«

      Der Kaufmann glaubte nicht anders, als daß er einen Verrückten vor sich habe, der zu ihm hereingeschlüpft sei und hielt es für das Klügste, sich ruhig zu verhalten. »Ja wohl, jetzt stehe ich gleich auf!« sagte er und sprang aus dem Bett heraus und tummelte sich in seine Kleider zu kommen. »Ah,« sagte der Bauer, »jetzt sehe ich erst, was unser Küster für ein gescheidter Mann ist, er hat dich ja hergerichtet, daß du aussiehst wie jeder andere Mensch! Wenn man es nicht gewiß wüßte, so könnte es einem wahrlich im Traume nicht einfallen, daß du das Kalb bist, das wir von der rothen Kuh bekamen. – Willst du jetzt mit nach Hause kommen?« Nein, sagte der Kaufmann, er hätte gerade keine Zeit, denn er habe in seinem großen Geschäft zu arbeiten. »Ja, – aber du könntest gleich unsern Hof übernehmen,« sagte der Mann, »und wir Alten würden uns zur Ruhe zurückziehen. Aber wenn du lieber beim Handel bleibst, so ist es mir auch recht. – Geht dir gar nichts ab?« fragte der Bauer noch zum Schluß. »Je nun,« meinte der Kaufmann, es ginge ihm nichts ab als Geld, das ja ein Kaufmann immer brauche. »Das habe ich mir auch denken können!« rief der Bauer aus. »Du hättest ja auch rein gar nichts zum Anfangen, drum habe ich dir auch gleich etwas Geld mitgebracht.« Und damit leerte er seinen Geldsack auf den Tisch, der ganz voll mit lauter blanken Thalern bedeckt wurde.

      Als der Kaufmann sah, was das für ein Mann war, den er vor sich hatte, plauderte er ungemein freundlich mit ihm und bat ihn, doch einige Tage da bei ihm zu bleiben, damit sie noch mehr mit einander plaudern könnten. »Ja wohl,« sagte der Bauer, »aber du mußt mich von jetzt an Vater nennen.« – »Ich habe aber weder Vater noch Mutter am Leben,« antwortete Peter Ochs. »Das weiß ich ja ohnehin,« sagte der Bauer drauf, »denn dein rechter Vater ist im vorigen Jahr am Michelstag nach Hamburg verkauft worden und deine rechte Mutter ist im Frühling beim Kalben draufgegangen; aber ich und die Mutter, nämlich mein Weib, wir haben dich ja an Kindesstatt angenommen und du bist unser einziger Erbe, und drum mußt du mich jetzt auch Vater nennen.«

      Dazu erklärte der Kaufmann sich gern bereit und behielt den Sack voll Geld, und der Bauer machte noch sein Testament und verschrieb all' sein Hab und Gut nach seinem Tode dem Peter, bevor er wieder zu seiner Frau nach Hause reiste und ihr das Ganze erzählte. Und sie wurde seelenfroh, als sie vernahm, daß es wirklich seine Richtigkeit damit hatte, daß der Kaufmann Peter Ochs ihr eigenes Kalb war. »Das mußt du jetzt gleich dem Küster erzählen,« sagte sie, »und ihm die hundert Thaler, die er aus eigenem Säckel für unsern Sohn ausgelegt hat, vergüten; denn er hat es ehrlich verdient und noch mehr für all' die Freude, die er uns dadurch in unsern alten Tagen bereitet hat, daß wir einen solchen Sohn und Erben bekamen.« Und ihr Mann war derselben Meinung und ging zu dem Küster hin und dankte ihm vielmals für all' das Gute, das er ihnen erwiesen, und gab ihm zweihundert Thaler. Und dann verkaufte er seinen Hof und alles Besitzthum und zog mit seiner Frau in dieselbe Stadt, in der ihr geliebter Sohn und Erbe wohnte, und den sie aus lauter Liebe gar nicht mehr aus den Augen lassen konnten. Und dem gaben sie dann das ganze Geld und blieben bei ihm bis an ihr Ende.
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    • Die lustigen Weiber

      Es standen einmal drei Häuser in einer Reihe, Wand an Wand nebeneinander. In dem einen wohnte ein Schneider, im andern ein Tischler und im dritten ein Schmied. Alle drei Männer waren verheiratet und ihre Frauen waren die besten Freundinnen miteinander Sie erzählten sich oft, was sie doch für dumme Männer hätten, aber nie konnten sie darüber einig werden, welche von ihnen den dümmsten Mann habe; jede einzelne war überzeugt und sagte ihrer müsse es sein.

      Die drei Frauen gingen jeden Sonntag miteinander in die Kirche, da hatten sie unterwegs die beste Gelegenheit zum Schwätzen und Klatschen und nach der Kirche fanden sie sich wieder in einem Wirthshaus, welches gleich in nächster Nähe lag, und da tranken sie immer ein Seidel »Guten« miteinander. Das eine war bei ihnen so sicher als das andere. Und es war gerade zu der Zeit, da ein Seidel Branntwein drei Schillinge kostete, so daß auf jede der Frauen ein Schilling traf. Aber da schlug der Branntwein auf einmal auf und der Wirth sagte, daß das Seidel von nun an vier Schillinge koste. Das war ihnen sehr unangenehm, denn sie waren nur ihrer drei, die sich in den Preis des Getränkes theilten, und so war immer ein Schilling zu wenig, denn keine wollte herausrücken und den vierten Schilling daraufbezahlen.

      Am Heimweg von der Kirche besprachen sie sich darüber und machten miteinander aus, daß diejenige, deren Mann der dümmste sei und sich den ärgsten Schabernack von seiner Frau spielen lasse, vom nächsten Sonntag an künftig nichts mehr zu bezahlen brauche und daß jede der beiden andern dann immer zwei Schillinge hergeben müsse zu ihrem Sonntags- Schnaps.

      Am nächsten Tag sagte die Schneidersfrau zu ihrem Manne: »Ich habe für heute Mädchen zum Wollezupfen hieherbestellt, denn es ist ein ganzer Haufen zu verarbeiten, so daß wir uns ordentlich tummeln müssen. Es ist mir aber recht unangenehm, daß unser Kettenhund todt ist. Wenn es nun gegen Abend geht, so kommen natürlicherweise die jungen Burschen dahergelaufen und wollen ihren Jux mit den Mädchen treiben, so daß wieder gar nichts geschieht. Hätten wir nur einen recht bissigen Hund, der sollte uns die Kerls schon vom Leibe halten.« »Ja,« sagte der Mann, »das wäre freilich recht gut gewesen.« »Höre, Männchen!« fuhr die Frau fort, »du könntest gewiß selbst den Kettenhund machen und die Burschen von dem Hause verscheuchen.« Aber das glaubte er denn doch nicht, daß er könnte, er wolle ihr sonst alles andere gerne zu Gefallen thun. »O, du wirst schon sehen, daß es ganz gut geht,« sagte die Frau, und gegen Abend hüllte sie ihn in einen wolligen Pelz ein, zog ihm eine dunkle Wollmütze über den Kopf und hängte ihn mit der Hundskette unten bei der Hundehütte an. Da stand er nun und knurrte und bellte jeden an, der sich in der Nähe hören ließ. Und das thaten meistens die Nachbarsfrauen, die ihren Spaß mit ihm hatten.

      Am andern Tag war der Tischler außer Haus arbeiten gegangen und kam ganz vergnügt zu seiner Frau heim – da schlug sie die Hände über dem Kopf zusammen und rief: »Um des Himmels willen! – aber Mann, wie siehst du denn aus? – Männchen, du bist ja krank!« Davon wußte er selbst aber nicht das geringste; höchstens schien es ihm, daß er recht hungrig sei und nothwendig etwas zum Essen brauche. Darum setzte er sich an den Tisch und begann sogleich zu essen, aber seine Frau, welche ihm gegenüber mit gefalteten Händen saß, schüttelte das Haupt und schaute ihn ganz bekümmert an. »Männchen, es wird immer schlimmer mit dir!« sagte sie, »nun bist du schon ganz bleich; man sieht es dir ganz deutlich an, daß eine schwere Krankheit in dir stecken müsse.« Jetzt wurde er selbst schon ängstlich, es war ihm am Ende doch nicht ganz gut. »Es ist wirklich schon die höchste Zeit, daß du dich ins Bett legst,« sagte die Frau und brachte ihn dazu, daß er sich niederlegte. Dann deckte sie alle Decken auf ihn, die sie nur im ganzen Hause finden konnte, und gab ihm Fliederthee und Brechwasser ein und er fühlte sich immer elender und kränker. »Du wirst diese Krankheit nicht mehr überstehen können,« sagte die Frau, »ich fürchte immer, daß du vor mir stirbst.« – »Glaubst du wirklich?« fragte der Tischler. »O ja, das kann auch leicht sein, denn ich fühle mich schon schrecklich elend.« Bald darauf sagte sie: »Nun muß ich von dir scheiden. Der Tod ist schon da. Und jetzt muß ich dir die Augen zudrücken,« und das that sie auch. Der Tischler, der ja alles glaubte, was seine Frau sagte, glaubte auch das, daß er nun todt war. Und er blieb ruhig liegen und ließ alles mit sich machen, was seine Frau nur wollte.

      Sie holte dann ihre Nachbarinnen herüber und sie halfen ihr ihn in den Sarg zu legen, – es war einer, den er selbst gemacht, – aber die Frau hatte Löcher hineingebohrt, damit er doch Luft schöpfen konnte; – sie richtete ihm sein Lager darin recht weich und gut, legte eine Decke auf ihn und faltete ihm die Hände über die Brust, aber statt einer Blume oder einem Gebetbuch gab sie ihm eine Seidelflasche mit Branntwein in die Hand. Als er kurze Zeit so dagelegen, machte er einmal einen Schluck aus der Flasche, dann noch einen und wieder einen, und es schien ihm recht gut zu thun, denn er schlief darauf ein und träumte, daß er schon im Himmel sei.

      Inzwischen hatte man es im ganzen Orte erfahren, daß der Tischler gestorben sei und andern Tags begraben werden sollte. – Was that aber unterdes die Frau des Schmieds? – Sie ging hinein zu ihrem Mann und zog ihm, während er da lag und einen Rausch ausschlief, das Hemd herunter und schmierte ihn vom Scheitel bis zur Zehe pechschwarz an und ließ ihn lang in den Tag hineinschlafen, bis die Leute, die dem Tischler das Geleit geben wollten, sich schon alle versammelt hatten und ihn im Sarge bereits zur Kirche trugen. Da kam die Schmiedefrau zu ihrem Manne hereingestürzt und rief: »Aber Mann, liegst du denn noch da? du verschläfst dich ja und weißt doch, daß du mit zur Leiche gehen mußt.« Der Schmied fuhr ganz verwirrt auf, denn er wußte gar nichts von einer Leiche. »Unser Nachbar Tischler,« sagte die Frau, »ist es ja, der heute begraben wird und der Leichenzug ist schon am halben Weg zur Kirche.« – »Nun ja,« sagte der Schmied, »so tummle dich halt und hilf mir meine schwarzen Kleider anziehen!« – »Papperlapapp!« sagte die Frau, »die hast du ja schon an, schau' nur, daß du endlich weiter kommst!« Ja da schaute sich der Schmied an und bemerkte, daß er bedeutend schwärzer sei, als er sonst zu sein pflegte; dann packte er schnell seinen Hut und lief zur Thüre hinaus dem Leichenzug nach, der schon ganz nahe bei der Kirche war. Der Schmied wollte als ein guter Nachbar natürlicherweise mit dabei sein und den Sarg tragen helfen, darum lief er dem Zuge nach und rief so laut er konnte: »He da! wartet ein wenig und laßt mich auch tragen helfen!« Die Leute im Zug blickten sich um und sahen die schwarze Gestalt dahergelaufen kommen und glaubten, es sei der Teufel in eigener Person, welcher den Tischler davontragen wolle. Da warfen sie den Sarg weg und machten sich schleunigst auf die Beine. Mit diesem »Plumps« sprang aber der Deckel vom Sarg und der Tischler erwachte und schaute heraus. Er erinnerte sich an alles wieder und wußte, daß er todt sei und begraben werden sollte. Er erkannte den Schmied und sagte mit schwacher Stimme: »Lieber Nachbar! wenn ich nicht schon gestorben wäre, müßte ich mich jetzt zu Tode lachen, so wie du zu meiner Leiche kommst!«

      Von dieser Zeit an brauchte die Tischlersfrau am Sonntag nichts mehr für das Seidel zu bezahlen, denn das mußten alle zugestehen, daß sie ihren Mann am ärgsten zum Narren gehalten hatte.
      Der Götter Freund und aller Hobbyheiden Feind

      Ich hab immer ein Messer dabei, falls es Kuchen gibt oder so...



    • Es war einmal ein armer Bauersmann, der im Frohndienste auf dem Felde seines Gutsherrn pflügte. Plötzlich stieß er mit dem Pfluge so heftig gegen etwas, daß er stecken blieb. Er glaubte, daß es ein Stein sei, als er aber genauer nachsah, fand er, daß es ein großer Schrein voll alten Geldes war. Es war sowohl Silber- als Goldgeld, das man vor vielen hundert Jahren einmal in Kriegszeiten vergraben haben mochte.
      Der Bauersmann stopfte seinen Futtersack mit dem Gelde voll und schleppte es mit sich nach Hause, denn er hielt sich so gut für berechtigt den Schatz zu behalten als irgend ein anderer. Der rechte Eigenthümer mußte ja doch schon lange und vor vielen Vorfahren des jetzigen Gutsherrn gestorben sein. Trotzdem fürchtete er aber, daß ihm der Gutsherr das Geld nehmen würde, wenn er erführe, daß es auf seinem Feld gefunden sei. Deshalb erzählte er auch niemanden etwas davon außer seiner Frau, diese bat er aber, es gegen jedermann zu verschweigen.
      Aber sie konnte doch nicht reinen Mund halten und mußte es einigen guten Freundinnen mittheilen, wodurch sie zu ihrem Wohlstand gekommem seien. Allerdings bat sie jede einzeln, niemandem etwas davon zu sagen, aber die konnten es auch nicht bei sich behalten, bis schließlich das Gerücht von dem Schatz, der auf herrschaftlichem Felde gefunden wurde, dem Gutsherrn selbst zu Ohren kam.
      Nachdem er es also vernommen hatte, ritt er zu dem Anwesen des Mannes, das einsam draußen auf der Haide lag, hin. Es war aber niemand außer der Frau daheim, denn der Mann war eben in die Stadt gefahren, um einiges Geld umwechseln zu lassen. Und als der Gutsherr die Frau ausfragte, so sagte sie ihm alles, was sie wußte: – daß ihr Mann einen Haufen altes Geld draußen auf dem Feld gefunden habe, daß er aber jetzt nicht zu Hause sei und sie wüßte nicht, wo er das Geld hingethan. Daraufhin wollte es der Gutsherr für heute gut sein lassen und abwarten, bis er ein andermal beide antreffen und ins Gebet nehmen könnte.
      Als der Bauersmann heimkam, erzählte ihm seine Frau wieder alles, er gab ihr zwar kein böses Wort für ihre Schwatzhaftigkeit, aber er hatte seine eigenen Gedanken dabei. Am nächsten Tage spannte er die Pferde vor den Wagen und bat seine Frau, mit ihm zu fahren, und so fuhren sie zusammen in die Stadt, ließen dort den Rest des alten Geldes einwechseln und legten daselbst ihr Geld gut an. Dann kaufte er ein Fuder Semmeln ein und füllte damit seinen Futtersack. Er traktirte seine Frau gut in der Stadt und gegen Abend stiegen sie wieder auf den Wagen und fuhren ihrer Heimat zu.

      Es war schon tief im Spätherbst und es regnete und der Wind blies heftig, als sie am dunklen Abend heimwärts fuhren. Aber die Frau hinten auf dem Rücksitz, die in der Stadt so gut traktirt worden, war fröhlich und guter Dinge und schlummerte den ganzen Weg. Als sie ein gutes Stück auf der Landstraße gefahren waren, wurde sie von einer Semmel, die ihr auf den Kopf, und wieder von einer, die ihr in den Schoß fiel, aufgeweckt, und sobald sie wieder am Einschlafen war, regnete es aufs neue Semmeln über sie. Und das kam daher, weil ihr Mann die Semmeln so in die Luft warf, daß sie auf sie fallen mußten.

      »Aber Mann!« rief sie aus, »was ist denn das? Mir scheint es regnet gar Semmeln.« – »Ja,« sagte der Mann, »das thut es, es ist ein entsetzliches Wetter!« Dann kamen sie auch am Gutshof vorüber und gerade als sie daran vorbeifuhren, wurde die Frau von dem Geschrei eines Esels aufgeweckt. »Was war denn das wieder?« fragte sie und es war ihr schon ganz unbehaglich zu Muthe. »Ja, darüber darf man eigentlich nicht reden,« antwortete der Mann, »wenn ich aber die Wahrheit sagen und nicht lügen soll, ist es der Teufel gewesen, welcher dem Gutsherrn einmal Geld geliehen und ihn nun plagt, weil er ihm die Zinsen nicht bezahlen will. Und er peitscht ihn bis er heult.« – »Huh!« sagte Frau schauernd, »tummle dich, daß wir von da weiter kommen!« Da hieb der Mann mit der Peitsche in die Pferde ein und sie kamen wohl und glücklich zu Hause an.

      Als sie aber daheim waren, sagte der Mann: »Höre Weibchen, das waren schlimme Dinge, die ich heute in der Stadt hören mußte, der Feind ist in unser Land eingebrochen und noch heute Nacht wird er hier sein. Darum mußt du dich im Kartoffelkeller verkriechen, damit du keinen Schaden erleidest, ich aber will hier bleiben und unser Eigenthum so gut beschützen als ich kann.«

      Auf diese Weise brachte er sie in den Keller hinunter, dann nahm er seine Büchse zur Hand, ging vor den Hof hinaus und rief und schoß – es waren zwar nur blinde Schüsse, die aber doch einen Heidenlärm machten. Und so machte er es die ganze Nacht hindurch, bis er gegen Morgen seine Frau aus dem Kartoffelkeller holte und zu ihr sagte: »Ja, ich hielt mich doch. Die meisten Feinde schoß ich über den Haufen und die übrigen ergriffen schließlich die Flucht und nahmen ihre todten Kameraden mit.« – »Nun, Gott sei Dank!« sagte die Frau, »es lief gut ab, aber ich habe die ganze Nacht eine schreckliche Angst ausgestanden!« Darauf legte sie sich ins Bett und schlief sich gehörig aus auf den Schrecken.

      Einige Tage später kam der Gutsherr herausgeritten und traf zuerst den Mann vor dem Hause und fragte ihn: »Was ist es denn mit dem Schatz, den du auf meinem Feld gefunden hast?« – Ja, davon wußte der Mann gar nichts. – »Ah, papperlapapp!« rief der Gutsherr aus, »es hilft dir nichts, wenn du auch leugnest, denn deine Frau hat es ja schon selbst eingestanden – ich weiß alles aus ihrem eigenen Munde.« – »Ja,« antwortete der Mann und deutete auf die Stirne, »bei meiner Frau ist es manchmal da oben nicht recht richtig. Man kann ihr da nicht alles glauben, was sie sagt.«

      Da rief der Gutsherr die Frau heraus und fragte, ob es nicht so sei, wie sie gestanden, daß ihr Mann auf dem Felde einen Haufen Geld gefunden habe. »Freilich, freilich,« antwortete die Frau, »und ich war selbst mit in der Stadt, als wir das Geld einwechselten.« – »Wann war das?« fragte der Gutsherr. »Ja, das war damals, als wir das entsetzliche Wetter hatten und wie es Semmeln herunter regnete.« »Ach, Unsinn, dummes Zeug!« rief der Gutsherr; »wann war das?« – »Ja, das war gerade am Tage vor der großen Schlacht, die da auf dem Felde stattfand, als der Feind ins Land eingebrochen war,« antwortete dann die Frau. »Was, Schlacht und Feinde?!« sagte der Gutsherr, »ich glaube, die Person ist verrückt. Wann war es, daß ihr in der Stadt gewesen seid, um das Geld wechseln zu lassen, frage ich?«

      Da weinte die Frau, und so sehr sie sich dagegen sträuben mochte, es mußte ja heraus: »Es war am selben Tag,« sagte sie, »als Euch der Teufel am Abend plagte – und Euch aus dem Garten hinauspeitschte.« – »Was sagst du da?« schrie der Gutsherr; »dann soll dich der Teufel plagen und peitschen für den Unsinn, den du zusammenschwätzest!«

      Damit peitschte er sie zur Thüre hinein, schwang sich auf sein Pferd und ritt dann seiner Wege, und fragte von da an nie mehr nach dem Schatze. Aber der Bauersmann kaufte sich einen großen Hof in einer andern Gegend und lebte dort glücklich und vergnügt mit seiner Frau. Sie verhalf ihm doch zu all seinem Glück, so wenig sie es selbst auch wußte.
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    • Einer, der's faustdick hinter dem Ohr hat

      Es war einmal ein ganz ur- und steinalter Mann. Er lebte nicht nur schon sehr lange, sondern er war auch seinerzeit ein tüchtiger Kerl, denn er hatte nicht weniger als sieben Schock Söhne und sogar noch sieben Stück dazu.

      Als diese vierhundertsiebenundzwanzig Söhne erwachsen waren, wollten sie alle miteinander heiraten; und daher gingen sie zu ihrem Vater und fragten ihn, wie sie sich dazu anstellen sollten. »Das verstehe ich besser als ihr,« sagte der Alte. »Laßt nur mich machen, ich werde schon für jeden von euch eine Frau ausfindig machen. Sattelt mir nur meinen alten Gaul, dann will ich sogleich fortreiten, um für euch zu freien!«

      Er mußte aber weit herum reiten, bis er endlich einen Mann auskundschaftete, der sieben Schock Töchter besaß und noch sieben Stück darüber, die noch alle unversorgt waren. Mit dem ließ sich etwas machen, drum ritt er zu ihm hin. Ein Knecht nahm ihm das Pferd ab und er selbst ging zu dem Mann hinein und knüpfte mit ihm ein Gespräch an, und unter andern Dingen kam er dann auch darauf zu sprechen: – daß er eigentlich zu ihm komme, um für seine Söhne anzuhalten um seine sämmtlichen Töchter.

      Sie kamen dann überein miteinander, daß die jungen Leute alle bei dem alten Vater der Söhne wohnen sollten, während der andere die Hochzeit für alle sieben Schock und sieben Paare zu bestreiten hat. Als alles auf diese Weise abgemacht war, sagte er fremde Mann zu dem Knecht, daß er ihm jetzt sein Pferd wieder satteln und vorführen möchte. »Hat mein Gaul etwas zu fressen bekommen?« fragte er; »denn ich habe sehr weit heim und mag unterwegs nicht anhalten, um ihn zu füttern.« – »Ja,« antwortete der Knecht, »er hat schon etwas bekommen, denn er hat sieben Fuder Heu zusammengefressen.« – »Hat er aber auch etwas zu saufen bekommen?« fragte der Alte weiter. »Nein, er hat nichts bekommen.« – »Nun ja, – dann kann ich ihn ja noch saufen lassen, wenn wir am See vorbeikommen,« sagte der Alte, »das ist ja weiter nicht der Rede werth.«

      Darauf ritt er weg von dem Hofe und gelangte bald zu dem See, der aber ziemlich klein war, denn er erstreckte sich höchstens auf sieben Meilen im Umkreis. Der Alte ritt mit seinem Gaul hinein, und dieser soff den ganzen See aus, denn er hatte lange stehen müssen und war davon gar durstig geworden.

      Als aber das Wasser im See so zu sinken begann, daß es zu wenig für die Fische war, die darin nicht mehr schwimmen konnten und diese im Schlamm liegen und umkommen mußten, fanden sich gleich eine Menge Vögel ein, die unter den Fischen tüchtig aufräumten. Als der Mann, der auf dem Pferde saß, in die Höhe schaute, um zu sehen wohin die Vögel mit den Fischen flogen, da fiel ihm etwas von einem Vogel ins Auge. Er griff zwar gleich nach dem Ding, konnte es aber durchaus nicht herausbekommen. Es blieb ihm daher nichts anderes übrig, als in größter Eile nach Hause zu reiten, während er beständig die eine Hand vor das Auge, das ihn schrecklich schmerzte und juckte und voll Wasser stand, halten mußte.

      Sobald er heimkam, erzählte er seinen Söhnen, daß er so glücklich wäre, für jeden von ihnen eine Braut gefunden zu haben, schließlich aber das Unglück unterwegs gehabt hätte, daß ihm etwas ins Auge gefallen sei; sie sollten ihm nun helfen es herauszubekommen. Sie suchten es wohl und schauten und schauten, aber sie konnten durchaus nichts darin finden. Da sagte der älteste Sohn, welcher der gescheiteste war: »Wir wollen einfach unsere Schiffe ins Auge hineinbringen und darin herumsegeln und versuchen, ob wir es am Ende nicht doch noch finden können.« Das thaten sie auch und segelten sieben ganze Tage darin herum, und fanden endlich auch, was sie suchten; und was war es? – ein Fischbein, das ein Vogel verloren hatte. Sie erwischten es mit einem langen Bootshaken und zogen es dann aus dem Auge heraus.

      Dann mußten sie sich um einen Tischler umsehen, der ihnen sieben Schock und sieben Bettstellen für die vierhundertsiebenundzwanzig jungen Paare machen konnte. Und es traf sich mit diesem Fischbein so glücklich, daß es der Tischler legen und sägen und zurechtschneiden, und daraus die Pfosten für sämmtliche vierhundertundsiebenundzwanzig Betten machen konnte.

      Als diese fertig und brauchbar waren, wollte der Alte eines Tags sein Mittagsschläfchen auf einem solchen Bett halten und setzte seine rothe Schlafmütze auf und legte sich nieder. Als er schon nahe daran war in Schlummer zu fallen, kam Herr Reineke Fuchs hereingeschlichen und begann an einem dieser Bettpfosten zu nagen. Und es schien ihm, daß er sowohl nach Vogel als nach Fisch schmecke. Darüber wurde der Alte aber so ärgerlich, daß er seine rothe Schlafmütze nahm und sie nach Meister Reineke warf, worüber dieser so erschrak, daß er auffuhr und sich geschwind im Barte des Alten versteckte.

      Der Alte griff zwar gleich, als Reineke in seinen Bart schlüpfte, nach ihm, erwischte ihn aber nicht und später war es ihm rein unmöglich zu finden, wo sich der Fuchs versteckt hatte. Darum rief er all seine Söhne herbei, daß sie zu ihm kommen und ihm helfen sollten, um Reineke zu fangen. Da sagte der älteste, denn er war ja der gescheiteste, daß es am klügsten wäre, wenn jeder seine gute Sense zur Hand nähme – es würde zwar dem Barte einige Haare kosten; – aber auf eine andere Art würden sie den Meister Reineke eben nie erwischen können. Da holten sie denn ihre Sensen, sämmtliche vierhundertundsiebenundzwanzig Söhne arbeiteten darauf los, und jeder einzelne mähte sieben Schwaden in sieben Tagen; und dann fanden sie schließlich auch den Fuchs in seinem Versteck: – er hatte sich hinter dem rechten Ohr des Alten verkrochen! Da hatte er sich ganz gemüthlich und bequem eingemiethet und noch überdieß sieben Junge geworfen, ehe sie ihn erwischt hatten.

      Als aber auch das wieder in Ordnung und geschehen war, zogen sie hin und hielten alle miteinander Hochzeit; und die Hochzeit war sowohl großartig als prächtig und währte nicht weniger als sieben Schock Tage und noch sieben darüber.
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    • Hans und Grethe

      Weit draußen vor dem Dorfe stand ein kleines Häuschen; darin wohnte ein Mann mit seiner Frau und seiner einzigen Tochter, welche Grethe hieß. Es waren zwar nur geringe Leute, aber brave und ordentliche Leute, und Grethe war ein recht fleißiges, gutes Mädchen und noch dazu ein bildhübsches Mädchen.

      Unten im Dorfe gab es wohl manch stattlichen Bauernhof, aber der schönste war halt doch der, welchen Hans einmal erben sollte. Sein Vater war längst todt und die Mutter führte jetzt den ganzen Haushalt, wobei sie von Hans auf das treulichste unterstützt ward. Er mußte nur noch warten bis er zwanzig Jahre alt war, und dann bekam er von der Mutter Haus und Hof. Er war nicht allein der reichste, sondern außerdem auch der tüchtigste und schönste Bursche im ganzen Dorfe, so daß es am Ende kein Wunder war, daß mehr als ein Mädchen ein Auge auf ihn geworfen hatte und ebenso auch Grethe.

      Hans kam einmal in aller Frühe in die Küche, als Gretchen gerade allein war und sagte zu ihr: »Höre Gretchen! du bist ein hübsches Mädchen und ein braves Mädchen, und deshalb kann ich dich auch recht gut leiden, so daß ich dich einmal zu meiner Frau nehmen will, wenn du fein schweigen kannst und es jetzt noch niemandem sagen wirst« – »Ich danke dir schön!« sagte Grethe, »so etwas darf man freilich noch niemandem sagen.«
      Hans ging nun wieder und Grethe sollte einen Topf voll Mehlbrei zum Frühstück kochen. Sie nahm eine Hand voll Mehl, die andere voll Asche und rührte dies durcheinander und dabei war sie voller Freude. Als die Mutter herauskam und sah, was die Tochter zusammenkochte, rief sie erstaunt aus: »Aber Gretchen! was treibst du denn da?« – »O Mutter,« antwortete sie, »ich bin so voller Freude.«

      »Was freut dich denn so sehr?« fragte die Mutter darauf. »Ja,« sagte Grethe, »Hans war da und hat gesagt, er will mich zu seiner Frau nehmen, wenn ich schweigen kann und es jetzt noch niemandem sagen will.« – »Ja, so etwas darf man freilich noch niemandem sagen,« sagte die Mutter und verrührte den Brei und schüttete ihn mitten auf den Küchenboden aus.

      Jetzt kam der Mann heraus, um doch nachzusehen, wo die beiden heute mit seinem Frühstück bleiben. »Aber sagt mir nur, was treibt ihr denn da?« sagte er, als er ihre Arbeit sah. »O, wir sind so voller Freude!« antworteten beide.

      »Was freut euch denn so sehr?« fragte der Mann. »Ja, der Hans war da und hat gesagt, er will die Grethe zur Frau nehmen,« sagte die Mutter, »wenn sie schweigen kann und es jetzt noch niemandem sagen will.« – »Ja, so etwas darf man freilich noch niemandem sagen,« erwiderte der Mann und ging hinaus und spannte die Pferde an die verkehrte Seite des Wagens.

      Da kam gerade Hans vorbei, und als er das sah, sagte er: »Aber was treibt Ihr denn da?« – »O, ich bin so voller Freude!« antwortete der Mann. »Ja, was freut Euch denn so sehr?« fragte Hans. »Nun, weil du gesagt hast, du willst meine Tochter zur Frau nehmen,« erwiderte der Mann.

      »Ja, das habe ich auch gesagt – wenn sie schweigen kann; aber das kann sie nicht!« Damit ging Hans voller Zorn seiner Wege.

      Und es vergingen viele Tage, ohne daß sie Hans wieder zu Gesichte bekamen. Endlich erfuhren sie, daß er um eines Großbauern Tochter gefreit habe und daß die Brautleute am nächsten Sonntag in der Kirche verkündigt werden sollten. Sie wurden zum ersten- und zum zweitenmal verkündigt; als sie aber zum drittenmal verkündigt werden sollten, sagte Grethe zu ihrer Mutter: »Ich muß heute doch in die Kirche, um noch einmal mit meinem alten Geliebten zum hl. Abendmahl zu gehen.« Und das that sie auch.

      Als alle das Abendmahl empfangen hatten und wieder auf ihre Plätze zurückgingen, flüsterte Grethe dem Hans im Vorbeigehen zu: »Ich habe meinen Glauben an dich doch noch nicht aufgegeben.« Seine Braut, die selbstverständlich auch in der Kirche war, sah es und frug den Hans aus: »Was war denn das für ein Mädchen, das vorhin an dir vorbeiging und dir etwas zuflüsterte?« – »O, das war ein Mädchen, das ich einmal zu meiner Frau nehmen wollte, wenn sie hätte schweigen können, – aber das konnte sie nicht!« –

      »Ah! – so etwas ist mir doch in meinem Leben noch nicht vorgekommen!« sagte die Braut, »nicht einmal schweigen konnte sie? – Ich habe doch schon sieben Kinder geboren, aber gesagt habe ich noch niemandem ein Sterbenswörtchen davon, – nur jetzt ist es mir unversehens entschlüpft.« Als Hans das hörte, sprang er vom Stuhl auf, – und niemals sah sie ihn wieder. Nun heiratete er doch noch das Gretchen, und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie heute noch glücklich miteinander.
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    • Die Träume

      »Der reiche Peter Larsen« so hieß ein Großbauer, und das war der reichste Mann in der ganzen Gegend; aber er war böse, hart und hochmüthig. Er hatte nur ein einziges Kind, und zwar eine Tochter, welche Karen hieß.

      In demselben Orte wohnte auch eine arme Häuslerin, welche einen einzigen Sohn hatte und der hieß Hans.

      Beide Kinder liebten einander schon von frühester Jugend auf, sie hatten miteinander gespielt und zusammen gelernt, sowohl in der Schule als in der Kirche. Als sie erwachsen waren, ging Hans eines Tages hinüber zu dem reichen Peter Larsen und sagte ihm, daß er seine Tochter liebe und daß sie ihn wieder liebe, und deshalb wolle er den Peter Larsen fragen, ob sie nicht ein Paar werden dürften.

      Darüber wurde der Peter Larsen so wüthend, daß er vor Zorn beinahe platzte; und er spuckte in seine Faust und schlug dem Hans Eine gerade zwischen beide Augen hinein, und sagte dann: »Ja freilich, du sollst die Karen kriegen! Aber da kannst du schon zuerst bis ans Ende der Welt wandern. Dann kriegst du sie, wenn du wieder einmal zurückkommst!«

      »Ich will es versuchen!« antwortete Hans und ging darauf zu seiner Mutter heim und sagte ihr, daß er Karen bekäme, wenn er zuerst am Ende der Welt gewesen sei, und daß er sich deshalb sogleich auf den Weg machen wolle. Da fing seine Mutter zu weinen an und bat ihn unter Thränen, sie doch nicht zu verlassen. Aber das half alles miteinander nichts; Hans wollte und mußte fort, und da schnitt ihm denn die Mutter einen Brodsack zurecht, so gut sie es eben konnte; und er begab sich auf seine Wanderschaft.

      Er ging immer gerade aus vorwärts: – so mußte er ja doch endlich einmal an das Ende der Welt kommen. Und so lange er einen Bissen in seinem Brodsack hatte, kehrte er nirgends ein; denn er wollte ungern aufgehalten werden, weil es wohl ein sehr weiter Weg war, den er vor sich hatte. Als sich aber keine Brodkrume mehr in seinem Sack befand, mußte er doch in einen Bauernhof hineingehen und um einen Bissen zu essen bitten. Der Mann, dem der Hof gehörte, fragte ihn, wohin er wandern wolle, und Hans antwortete: »Ich muß ans Ende der Welt, denn sonst bekomme ich des reichen Peter Larsens Tochter nicht.« »Ja, wenn du ans Ende der Welt sollst,« sagte der Bauer, »dann mußt du einen Auftrag von mir mitnehmen und mir die Kundschaft bringen, woher es kommt, daß ich drei schöne Töchter habe und so reich bin, daß es mehr als genug für alle drei ist und doch keine Freier für sie bekommen kann.«

      »Ich werde thun, was in meinen Kräften steht, um es zu erfahren,« sagte Hans, und bekam dann seinen Brodsack wohl gefüllt und zog wieder von dannen immer gerade fort, so lange noch ein Stückchen Brod in seiner Tasche war. Als sie aber ganz leer war, ging er wieder an einem Ort in einen großen Herrenhof hinein und bat um einen Bissen zu essen. »Wie weit wanderst du denn?« fragte ihn der Gutsherr. »Ja, ich muß bis ans Ende der Welt,« antwortete Hans, »denn sonst bekomme ich des reichen Peter Larsens Karen nicht.«

      »Ja, wenn du bis ans Ende der Welt sollst, dann mußt du einen Auftrag von mir mitnehmen,« sagte der Gutsherr, »und mir die Kundschaft bringen, woher es kommt, daß sich in meinem Garten ein Baum befindet, der auf der einen Seite rothe, auf der andern weiße Blätter und noch nie eine Frucht getragen hat.«

      Hans versprach zu thun, was in seinen Kräften stünde, um ihm die Antwort auf diese Frage zu verschaffen, und bekam seinen Brodsack tüchtig vollgestopft; dann nahm er Abschied und bedankte sich und ging wieder weiter vorwärts, so lange er noch einen Bissen im Sack hatte. Als er abermals leer war, ging er in ein königliches Schloß hinein und bat um etwas zu essen. Der König stand just selbst vor der Thüre draußen, und da fragte er den Hans: »Wohin geht die Reise?« und Hans antwortete wie gewöhnlich: »Ich muß bis ans Ende der Welt, denn sonst bekomme ich des reichen Peter Larsens Karen nicht.«

      »Ja, wenn du bis ans Ende der Welt mußt,« sagte der König, »dann kannst du mir auch die Nachricht verschaffen, wo meine Tochter hingekommen, welche mir vor sieben Jahren gestohlen wurde.«

      »Ich will sehen, was ich thun kann,« erwiderte Hans, »und wenn es mir möglich ist, will ich es dir schon wissen lassen.« Da bekam er seinen Brodsack so gut vollgestopft, daß er auf lange Zeit ausreichen konnte; und er ging wieder tüchtig vorwärts, bis er mitten in einem wilden Wald zu einem Schilderhaus hinkam, bei dem ein alter Soldat stand und Wache hielt. Er rief den Hans an und fragte ihn, wohin er wolle.

      »Ich muß bis ans Ende der Welt,« sagte Hans, »denn sonst bekomme ich des reichen Peter Larsens Tochter nicht. – Habe ich noch weit dahin?« fragte er die Schildwache. »Nein,« bekam er die Antwort, »jetzt hast du nicht mehr besonders weit. Du wirst bald bei einem großen Wasser anlangen, das ist das rothe Meer, und auf der andern Seite desselben liegt das Schloß am Ende der Welt. Aber darin haust ein böser Zauberer,« sagte der alte Soldat. »Ja, das ist mir gleichgültig, wer da wohnt,« sagte Hans, »aber ich soll und muß dahin!«

      »Dann kannst du einen Auftrag von mir mitnehmen,« sagte die Schildwache, »und dich erkundigen, wann endlich eine Ablösung kommt, denn jetzt stehe ich auf diesem Posten schon dreihundert Jahre.« – »Ja, das werde ich thun,« versprach Hans, und beeilte sich weiter zu kommen, und bald befand er sich am rothen Meer. Da traf er ein altes Weib am Strande an, die ein kleines Boot hatte, und es sah aus als sei sie dazu da, um die Leute überzusetzen.

      »Wo willst du denn hin?« fragte sie. »Ich will ans Ende der Welt,« antwortete Hans. »Dahin gelangst du immer noch früh genug,« sagte das Weib, »denn von da kommst du doch nicht mehr zurück.« – »O ja!« erwiderte ihr Hans, »ich muß ja wieder nach Hause, um des reichen Peter Larsens Karen heimzuführen.« – »Ja,« sagte das Weib, »ich will dich meinetwegen übersetzen, und solltest du zurückkommen, dann kannst du mir sagen, wie lange ich noch da liegen und im Wasser herumpantschen soll. Jetzt habe ich schon siebenhundert Jahre lang die Leute da übergesetzt.«

      »Ich will schauen, daß ich es erfahren kann,« sagte Hans, und das Weib fuhr mit ihm über das rothe Meer und hinüber zum Schloß am Ende der Welt. Er fand ein Thor, an dem klopfte er an, und da kam ein junges Mädchen, das ihm aufmachte und das war eine Prinzessin; – sonst war gerade niemand im Schlosse. Er wünschte ihr einen guten Abend und fragte, ob er da nicht über Nacht bleiben könnte. »Nein!« sagte die Prinzessin, »was willst du denn hier? du kommst ja nicht mehr lebend über die Schwelle!« – »Ja,« entgegnete ihr Hans, »ich sollte und mußte hieher, denn sonst bekomme ich des reichen Peter Larsens Karen nicht!« – »Gut, jetzt ist der Zauberer nicht zu Hause,« sagte die Prinzessin, »aber wenn er heimkommt und Christenblut wittert, dann ist es aus mit dir.« Ja, er müsse mit ihm sprechen, sagte er, denn er habe viele Aufträge bekommen, die er zu besorgen habe; und dann erzählte er der Prinzessin alles, worüber er Erkundigungen einziehen müsse.

      Als er auf den König zu sprechen kam, der wissen wollte, wohin seine Tochter gekommen, da brach sie in Thränen aus und sagte, daß dies gewiß ihr Vater sei. »Komm jetzt nur herein!« sagte die Prinzessin, »ich will schon sehen, daß ich dir helfen kann. Ich verwandle dich nun in eine Hechel und hänge dich beim Kopfkissen am Bettpfosten auf, und wenn ich sage: »Hechel, merk' auf!« dann mußt du genau Obacht auf alles geben, was gesprochen wird.« Die Prinzessin that, wie sie gesagt, und bald darauf kam der Zauberer heim.
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    • »Huh! .... huh! .... huh!« rief er, »ich rieche Christenblut.« – »Ach nein, Väterchen!« sagte die Prinzessin, »was dir nicht wieder einfällt! Heute flog eine Krähe übers Dach und verlor dabei ein Bein in unserm Hof, welches sie wahrscheinlich von einem Friedhof geholt hatte. Und das wird es auch sein, was du jetzt riechen kannst.« Darauf verzehrte der Zauberer sein Nachtmahl und beide gingen zur Ruhe.

      Als sie kurze Zeit dagelegen hatten, begann die Prinzessin so zu schnarchen, daß der Zauberer darüber aufwachte. Er stieß sie und sagte: »Aber Frau, was schnarchst du denn so fürchterlich?« – »O, ich habe etwas geträumt,« erwiderte sie. »So? ... was hast du denn geträumt?« fragte er. »Ich träumte von einem Mann, der drei schöne Töchter hatte, denen er eine sehr reiche Mitgift geben konnte und doch keine Freier für sie bekam. Was mag daran wohl Schuld sein?« – »Ja, das weiß ich schon,« sagte der Zauberer, »aber er wird es nie erfahren: er sollte die Thüren zur Hälfte einwärts und zur Hälfte auswärts kehren, dann würden alle Tage ein paar Freier kommen.« – »Hechel, merk' auf!« sagte die Prinzessin. »Wozu sagst du das?« fragte der Zauberer. »Ach, das sagte ich nur so im Traume,« antwortete ihm die Prinzessin.

      Darauf schliefen sie wieder ein. Aber bald darauf weckte ihn das Schnarchen der Prinzessin abermals auf und er fragte sie, was sie jetzt geträumt habe. »Ach, ich träumte von einem Gutsherrn, der einen Baum in seinem Hofe hat, der auf der einen Seite weiße, auf der andern Seite rothe Blätter trägt und auf dem noch nie eine Frucht gewachsen. Was mag das bedeuten?« – »Ja, das weiß ich schon,« antwortete der Zauberer, »aber er wird es nie erfahren. Er sollte acht Knechte, vier auf jeder Seite, nachgraben lassen, dann würde er unter diesem Baum eine Tonne Gold und eine Tonne Silber finden.« – »Hechel, merk' auf!« sagte die Prinzessin. »Wozu sagtest du das?« fragte der Zauberer. »Ach, das sagte ich nur so im Traume,« erwiderte die Prinzessin.

      Als sie wieder kurze Zeit schliefen, weckte sie ihn zum drittenmal mit ihrem Schnarchen auf, und er sagte: »Aber warum schnarchst du denn jetzt?« – »Ach, ich träumte ... ich träumte,« sagte die Prinzessin darauf. »Das ist aber heute eine schauderhafte Träumerei von dir!« rief der Zauberer aus. »Was hast du denn wieder geträumt?« – »Ich träumte von einem König, der besaß eine einzige Tochter, die ihm vor sieben Jahren gestohlen wurde.« – »Das bist ja du selbst,« schrie er so fuchsteufelswild, daß er sie jetzt beinahe gefressen hätte.

      Darüber erschrak die Prinzessin fürchterlich und getraute sich nicht sobald wieder zukommen mit ihren Träumen; aber sie mußte ja doch noch die andern Fragen beantwortet bekommen. Deshalb ließ sie ihn eine gute Weile ruhig schlafen, dann aber begann sie auf's neue zu schnarchen und er wachte darüber auf. »Das ist doch zum Teufel holen mit deinem Geschnarche heute Nacht!« brummte der Zauberer. »Ja, ich bin auch ganz unglücklich über diese Träume,« seufzte sie. »Nun, was hast du denn jetzt für einen gehabt?« fragte er. »Ich träumte von einem alten Soldaten, der draußen im wilden Wald bei einem Schilderhaus Wache steht. Wie viele Jahre muß er wohl noch da stehen bleiben?« – »Ja, das weiß ich schon,« sagte der Zauberer, »aber er wird es nie erfahren. Er könnte schon einmal abgelöst werden; aber da müßte er, wenn es in der Luft saust und in der Erde dröhnt, rufen: Höre, Satan, der du fliegst und flatterst in der Luft! komme jetzt herunter und löse mich ab! Ich stand hier schon so viele lange Jahre, jetzt sollst du in aller Ewigkeit da stehen bleiben!« – da müßte ich hingehen und an seiner statt Schildwacht stehen.« – »Hechel, merk' auf!« sagte die Prinzessin. »Aber wozu sagst du denn das immer?« fragte er. »Ach, das sagte ich nur so im Traume!« erwiderte die Prinzessin.

      Da schliefen sie wieder ein, aber es dauerte nicht lange, da fuhr der Zauberer aufs neue von dem Schnarchen aufgeweckt aus dem Schlafe auf und wollte wissen, was sie jetzt geträumt habe. »Ich träumte von einem alten Weib, das schon, so lange ich mich erinnern kann, die Leute hieher übersetzt. Wie lange wird sie das noch thun müssen?« – »Ja, das weiß ich schon,« sagte er, »aber sie wird es nie erfahren. Wenn sie einen Christenmenschen unter die Hand bekäme, dem sie das Genick brechen könnte und ihm dann drei Tropfen Blut aussaugen würde, dann dürfte sie hingehen, wohin sie wollte.« – »Hechel merk' auf!« sagte die Prinzessin. »Das will ich nicht mehr hören!« schrie der Zauberer, »und jetzt störe mich nimmer in meiner Nachtruhe oder ich breche dir selber das Genick!« Darauf fiel er in einen tiefen Schlaf und schnarchte, daß das ganze Haus davon erzitterte und bebte.

      Morgens stand der Zauberer auf, nahm sein Frühstück ein und fuhr davon. Da verwandelte die Prinzessin die Hechel wieder in den Hans und gab ihm sein Frühstück und sagte ihm, daß er nun voraus zum Strand hinunter solle; sie werde ihm nachkommen, sobald der Zauberer weit genug entfernt sei. Darauf verwandelte sie ihn in ein kleines Rad, das sie an den Strand hinunter rollen ließ; und da blieb es liegen, bis die Prinzessin selbst kam und es wieder in einen Menschen verwandelte. Dann stiegen sie beide in das Boot des alten Weibes. »Tummle dich nur, Mutter, und setz' uns über!« rief ihr Hans zu. »Ja, hast du mir auch eine Antwort auf meine Frage gebracht?« erkundigte sich das Weib. »Wenn wir drüben sind, sollst du sie bekommen,« erwiderte Hans. Und als sie wohlbehalten am Ufer angelangt und ein gutes Stück landeinwärts gekommen waren, rief er ihr zurück, was sie zu thun hätte, um ihres Dienstes frei zu werden. »O hättest du mir das nur früher gesagt,« schrie sie ihm nach, »so könnte ich jetzt schon fertig sein!«

      Sie liefen immer weiter, bis sie zu dem Schilderhaus kamen und dem alten Soldaten erzählten, wie er von seinem Posten abgelöst werden könnte. Und kaum waren sie gut an ihm vorbeigekommen, da sauste es in der Luft und dröhnte es in der Erde; – und das war der Zauberer, der den Fliehenden nacheilte. Da rief der Soldat, wie er soeben gelernt hatte: »Höre; Satan, der du fliegst und flatterst in der Luft! komme jetzt herunter und löse mich ab! Ich stand hier schon dreihundert lange Jahre, jetzt sollst du in aller Ewigkeit da stehen bleiben!« Nun mußte der böse Zauberer herabkommen und Schildwache stehen; – und da steht er noch.

      Darauf zogen Hans und die Prinzessin zu dem König hin, dessen Tochter sie war. Hans nahm sie an der Hand und führte sie vor und sagte: »Hier ist Eure Tochter, die Euch vor sieben Jahren gestohlen wurde!« Der König wollte es zuerst nicht glauben, aber da sagte die Prinzessin: »Vater! kannst du dich nicht mehr erinnern, daß ich, als ich noch klein war, einmal hingefallen bin und mich dabei mit einem Federmesser in die rechte Hand stach? – Und hier ist noch die Narbe davon.« Da freute sich der König so sehr, daß er sein Kind wiedergefunden, daß er dem Hans aus Dankbarkeit die Prinzessin zur Ehe und dazu gleich das halbe Königreich und nach seinem Tode das ganze anbot. Aber Hans bedankte sich und sagte, daß er heim müsse, um des reichen Peter Larsens Tochter zu bekommen.

      Da gab ihm der König eine Tonne voll Gold und einen prächtigen Wagen mit vier Pferden bespannt und Kutscher und Diener dazu. Dann reiste er damit weiter zu dem Gutsherrn, der den wunderbaren Baum in seinem Garten hatte. Er ertheilte ihm Bescheid; und sogleich wurden acht Knechte geholt, von denen je vier zu beiden Seiten graben mußten. Und da fanden sie richtig eine Tonne voll Gold auf der einen Seite und eine voll Silber aus der andern. Darüber freute sich der Gutsherr ungemein und gab Hans die Hälfte als Finderlohn, also eine halbe Tonne Silber und eine halbe Tonne Gold, und das wurde ihm auf den Wagen gepackt, dann fuhr er weiter. Er mußte noch zu dem reichen Bauern mit den drei schönen Töchtern, die keine Freier bekommen konnten, hinein. Hans sagte ihm, daß er die Thüren halb einwärts und halb auswärts kehren solle, dann würden alle Tage genug Freier kommen. Da sagte ihm der Bauer in der Freude seines Herzens über diese Unterweisung sogleich, er könne eine seiner Töchter haben und welche er wolle? Aber Hans wollte keine von den dreien, denn er sei schon verlobt, sagte er. Dann wollte ihm der Bauer hundert Thaler geben. Aber Hans dankte auch dafür und sagte, er habe ohnehin schon genug Geld.

      Darauf fuhr er weiter bis zu seiner Mutter Haus, und hielt davor an; dann ließ er drinnen fragen, ob er nicht da über Nacht bleiben könnte. Da fing die Frau zu weinen an und sagte, es sei schändlich herzlos, mit armen Leuten Spott zu treiben; es sei doch leicht einzusehen, daß sie eine so feine Herrschaft nicht empfangen könne. Aber da sprang Hans aus dem Wagen heraus und sagte: »Weine nicht, Mütterchen! – ich bin es ja, dein eigener Sohn Hans.« Das wollte sie zuerst gar nicht recht glauben; aber zuletzt erkannte sie ihn doch und er erzählte ihr seine ganze Geschichte, und es herrschte eine unsägliche Freude in der kleinen Bauernstube.
      Der Götter Freund und aller Hobbyheiden Feind

      Ich hab immer ein Messer dabei, falls es Kuchen gibt oder so...